Buchbesprechung: Design macht Mut(h)

18. November 2019

Ein äußerst spannendes Stück Nachkriegs- und Industriegeschichte ebenso wie ganz subtile Einsichten in die Denk- und Arbeitsweise von großen Konzernen aber auch in das seines Privatlebens liefert uns der Designer Hans A-Muth. Muth, Jahrgang 1935, hat damit auch die wichtigsten Stationen seines Lebens und Wirkens für die Nachwelt festgehalten – besser als das irgendjemand anderes tun könnte.

Das Buch gliedert sich nach dem Vorwort, über das wir immer noch nachdenken, in vier Teile mit insgesamt 27 Kapiteln. Allerdings sind diese Kapitel dann doch weitgehend chronologisch erzählt und lassen den Werdegang und die Entwicklung des Formenschöpfers anschaulich werden. Neun Kapitel widmen sich vorrangig dem Thema “Motorrad”, wobei hier die Marken BMW und Suzuki für das Schaffen des Gestalters herausragend sind. Sieben Kapitel berichten aus dem Land der aufgehenden Sonne und den Menschen und Entwicklungen, mit denen Muth dort zu tun hatte. Weitere fünf Kapitel berichten aus dem Leben des Formenschöpfers Hans A. Muth und über seinen Werdegang mit Höhen und Tiefen.

Die Entwicklung der BMW R 100 RS ist unausweichlich mit dem Designer Hans A. Muth verbunden.

Mit der Suzuki Katana GSX 1100 in der typischen Farbe „Silber“  schreibt der renommierte Designer Hans A. Muth ein Stück Motorradgeschichte ebenso wie zuvor mit der BMW R 90 S in „Daytona Orange“. Sein Name steht aber nicht nur für extrem sportliche Bikes. Auch Autos, Motorradbekleidung, Rasierer und aerodynamisch optimierte Golfschläger werden zum Gegenstand seines gestalterischen Talents. Seit 1958 arbeitet der gelernte Werkzeugmacher und Grafik- und Industrie-Designer für unterschiedlichste Projekte. Und beweist dabei stets Mut zum kreativen Risiko. Nach rund 60 Jahren als Entwickler von Design ist sich Muth der großen Bedeutung bewusst: “Design ist ein emotionaler und wirtschaftlich strategischer Faktor”.

Muth hat seinen Beruf als Berufung gelebt, ist in dem Thema komplett aufgegangen und hat sich wohl nie wirklich verbogen. Das hat es ihm sicher nicht leichter gemacht im beruflichen Leben. Geblieben bis heute ist seine Offenheit für alles Neue, seine spezifische Wahrnehmung, das Interesse und die Neugierde. So liefert das autobiografische Buch auch ganz subjektive Ansichten und ist geprägt von der starken Meinung des Autors.

Die Suzuki Katana wird zum Design-Meilenstein, der viele Jahre später sogar eine Neuauflage erfährt.

Mit dem Buch „Design macht Mut(h)“ zeigt uns der Autor sein buntes Leben. Was steckt hinter den Modellen wie der „Ur-Katana“? Wie hat Muth den Großkonzern BMW erlebt? Wieso hat ihn die japanische Kultur so geprägt? Und mit welchen Hindernissen musste er kämpfen? Neben den umfassenden Texten mit ganz persönlichen Hintergründen, Erfahrungen und Erlebnissen gibt es viele Original-Zeichnungen, Skizzen und Fotos aus privaten Archiven. Sie alle entführen den Leser in die spannende Welt des Designs.

Mut(h)ig vom Verlag, der Hachinger Verlagsgesellschaft aus Oberhaching in Co-Produktion mit dem Dustri-Verlag, ist es, ein Designbuch aufzulegen und dabei den Autoren – so ist zu vermuten – weite Teile der Gestaltung des Buches, der Struktur und der Rechtschreibung zu überlassen. Über das eine oder andere ließe sich durchaus kontrovers diskutieren, etwa die schweinchenrosa unterlegten Textkästen, die Schreibweise von Bocksbeuteln oder auch inhaltlich, dass Motorräder gegen Aquaplaning immun seien. Angesichts der Authentizität und Gesamtqualität des Werkes kann das aber auch großzügigerweise vernachlässigt werden.

H.A. Muth, Design macht Mut(h): Ideen – Denkweisen – Projektionen 2019. 184 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Querformat, 23 x 30,5 cm, Hachinger-Verlagsgesellschaft, ISBN 978-3-944291-46-8 und ISBN: 978-3-944291-47-5 (e-book), 39,50 Euro

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