40 Jahre Anti-Blockier-System

23. August 2018

Selbst bei einer Vollbremsung die totale Lenkkontrolle über das Auto zu behalten, weil die Räder nicht blockieren: Genau das ermöglicht das Anti-Blockier-System (ABS). Damals wurde das leider nicht so präzise kommuniziert wie in der jetzigen Rückschau. Mercedes-Benz und sein Entwicklungspartner Bosch präsentieren die Weltneuheit vom 22. bis 25. August 1978 auf der Einfahrbahn des Daimler-Benz Werks Untertürkheim. ABS ist auch deshalb eine Sensation, weil mit diesem System die Digitaltechnik Einzug ins Automobil hält. Das definiert die Rolle des Fahrzeugs neu – es nimmt künftig die Aufgabe eines Partners auf vier Rädern ein, der den Menschen am Steuer zunehmend aktiv unterstützt.

Mercedes-Benz bringt in der S-Klasse vom Typ W 116 das Antiblockiersystem in die Serie. Foto: Döhmann

Mercedes-Benz erklärt die Funktion des Anti-Blockier-Systems vor 40 Jahren in einer Broschüre so: „Das Anti-Blockier-System überwacht durch einen Computer die Drehzahländerung des einzelnen Rades beim Bremsvorgang. Fällt die Drehzahl zu schnell ab (zum Beispiel beim Bremsen auf glattem Untergrund) und das Rad droht zu blockieren, vermindert der Computer automatisch den Bremsdruck. Das Rad beschleunigt wieder, der Bremsdruck wird wieder erhöht und damit das Rad abgebremst. Dieser Vorgang wiederholt sich in Sekunden mehrmals.“

Was in einer Epoche der analogen Elektrik und Elektronik kompliziert klingen mag, ist in der Praxis einfach überzeugend: Das Automobil bringt dank ABS selbst bei Nässe, Eisglätte, Schnee oder schwierigem Terrain die größte physikalisch mögliche Bremskraft auf den Untergrund, während die Räder nicht blockieren und das Fahrzeug sogar bei Vollbremsungen lenkfähig bleibt.

Nach der Vorstellung vor 40 Jahren ist es nur noch ein kleiner Schritt zur Einführung des Anti-Blockier-Systems in die Serie: ABS hat Ende 1978 in der Mercedes-Benz S-Klasse der Baureihe 116 als Sonderausstattung Premiere. Der Mehrpreis beträgt damals 2.217,60 DM. Zwei Jahre später ist es in sämtlichen Personenwagen der Stuttgarter Marke auf Wunsch erhältlich. Bald bringt auch Teves ein ABS auf den Markt. Der Serieneinsatz im Ford Scorpio folgt. Noch sind die Systeme groß und schwer. 1981 stellt Mercedes-Benz das Anti-Blockier-System für Nutzfahrzeuge vor. Und ab Oktober 1992 ist ABS in allen Personenwagenmodellen der Marke mit dem Stern Serienausstattung, seit 2004 in allen Neuwagen in der EU Pflicht. Heute ist das Assistenzsystem in Autos so gut wie aller Hersteller weltweit eine Selbstverständlichkeit.

Mehr noch: Aufbauend auf dem ABS wurde erst eine Antriebs-Schlupfregelung ASR eingeführt, später das Elektronische Stabilitätssystem ESP. Auch hier ist Bosch führend und wird von Continental (nach der Übernahme von TEVES ) sowie weiteren Anbietern im Markt begleitet.

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