Buchbesprechung: So fuhr der Osten

19. Juli 2018

Wartburg und Trabi sind uns im Gedächtnis geblieben. Doch das war längst nicht alles: Die Modellpalette an Fahrzeugen der DDR und der früheren Ostblock-Staaten war deutlich vielfältiger, als mancher das heute im Rückblick wahrhaben will. Wer erinnert sich noch an die DDR-Traktoren und Transportfahrzeuge, an Ungarn-Urlaube im DDR-Wohnwagen, an Ost-Mopeds und Motorräder? Zumindest nach der Lektüre des Buches sind keinerlei Erinnerungen an Ost-Mopeds und Motorräder geweckt worden. Doch es kommt schon eine große Menge Ostalgie auf – stimmungsvoll!

Klaus Schameitat macht viele Modelle von damals sichtbar. Er ist Spezialist für Osteuropa und die ehemalige Sowjetunion. Seit fast 40 Jahren erforscht und bereist er die Länder, die früher hinter dem Eisernen Vorhang lagen. Dabei interessiert ihn insbesondere das Alltagsleben der Menschen. Deswegen hat er zahlreiche Schätze dokumentiert, die heute längst aus dem Straßenbild verschwunden sind.

Zwar werden über 60 Fahrzeughersteller aus 20 osteuropäischen Ländern erwähnt, aber das wirkt leider etwas exemplarisch. Denn Hintergründe zu den Herstellern und Marken werden praktisch, jedenfalls in Form übersichtlicher Fakten, nicht geliefert. So dürften selbst für Eingeweihte die bulgarischen Marken Cavdar und Balkancar wenig bekannt sein – und sie bleiben es auch nach der Lektüre: Außer der kurzen namentlichen Erwähnung ist zwischen den Buchdeckeln davon leider nichts zu finden. Noch unterbelichteter ist der Zweiradbereich. Die eine oder andere Ikone hätte trotz des Untertitels (ohne die Erwähnung von Zweirädern) ruhig Eingang finden dürfen, denn im Osten fuhren nicht wenige davon.

Dafür gibt es aber allerhand Schienenfahrzeuge zu sehen, von diversen Straßenbahnen über Zwei-Wege-Fahrzeuge bis zu Lokomotiven. Und beeindruckender noch: Die Fotos von normalen Alltagsszenen aus den 1980er- und 1990er-Jahren aus den verschiedenen Ländern, von den baltischen Staaten bis hin zu den Republiken, die aus dem Zerfall Jugoslawiens entstanden. Die sind eine wertvolle Erinnerung und gleichzeitig Mahnung in diesem Entdeckerbuch für Autofans, dieser eigenwilligen Schatzkiste für Eisenbahn-, LKW- und Technikfans, Rennpappen, Straßenkreuzer und Nutzfahrzeugen.

Schneider Media, So fuhr der Osten, Klaus Schameitat, 1. Auflage 2017, gebunden, 224 Seiten, über 800 Abbildungen, meist in Farbe, 228 x 277 mm, Preis: 34,90 Euro; ISBN: 978-3-667-11231-6

 

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