120 Jahre Renault

28. Januar 2018

Renault entwickelte das erste Automobil mit kettenlosem Direktantrieb und etablierte mit Modellen wie dem Renault 4, der ersten Großraumlimousine Espace oder dem ersten Kompaktvan Scénic völlig neue Fahrzeugklassen. Als erster Großserienhersteller mit einer rein elektrischen Modellpalette gehört Renault darüber hinaus zu den Wegbereitern einer zukunftsorientierten und nachhaltigen Mobilität.

Beginn mit technischer Innovation

Technische Innovation und die internationale Ausrichtung kennzeichneten bereits die Anfangsjahre von Renault. 1898 montierte Louis Renault in einem Holzschuppen in Boulogne-Billancourt sein erstes Automobil, den Prototyp des späteren „Typ A“, besser bekannt als „Voiturette“. Die Voiturette verfügte als wegweisende Neuerung über ein 3-Gang-Getriebe mit Direktantrieb, das als erster „Antrieb ohne Ketten“ in die Automobilgeschichte einging und Renault einen Platz in der ersten Reihe der Technik-Pioniere verschaffte.

Schon die ersten Tests am 24. Dezember 1898 brachte den Durchbruch: Noch am gleichen Abend bestellten mehrere Bekannte nach erfolgreicher Probefahrt ein Fahrzeug. Am 25. Februar 1899 gründete Louis Renault zusammen mit seinen Brüdern Marcel und Fernand das Unternehmen „Renault Frères“ (Gebrüder Renault). Bereits um 1900 beschäftigte die Firma mehr als 100 Mitarbeiter.

Louis Renault auf einer Voiturette im Jahr 1898. Foto: Renault

Diesen guten Ruf festigte das Unternehmen in der Folgezeit unter anderem durch Rennsiege. So gewann Renault 1906 den ersten Grand Prix der Motorsport-Geschichte. Parallel dazu baute die Marke ihr Produktangebot kontinuierlich aus und erschloss sich gezielt neue Kundenkreise in einem schnell wachsenden Markt. So entstand ein breites Modellspektrum, das – von kleinen Limousinen bis hin zu großen, repräsentativen Modellen mit leistungsstarken Motoren – alle Arten von Fahrzeugen beinhaltete.

Von Anfang an international aufgestellt

Bereits in den Anfangsjahren startete Renault mit dem Export seiner Fahrzeuge, unter anderem auch nach Deutschland, wo 1907 in Berlin die „Renault Frères Automobil Aktiengesellschaft“ gegründet wurde. Mit dem erfolgreichen Engagement jenseits der Grenzen des französischen Heimatmarktes legte Renault den Grundstein für die fortschreitende Internationalisierung der Marke. Um die stetig steigende Nachfrage befriedigen zu können, errichtete Renault 1929 ein neues Werk auf der Seine-Insel Seguin.

Das hier installierte, 1.500 Meter lange Fließband war damals die längste Montagestraße außerhalb der USA. Hier produzierte Renault insbesondere seine erfolgreichen Vierzylindermodelle Monaquatre (1931-1936), Celtaquatre (1934-1938) und Juvaquatre (1937-1948), Letzterer das erste Fahrzeug der Marke mit selbsttragender Karosserie und Einzelradaufhängung.

Renault baute auch im Ausland seine Fahrzeuge. Hier eine Impression von Modellen aus russischer Fertigung. Foto: Renault

In den 1920er- und 1930er-Jahren sorgte Renault durch opulent motorisierte Luxusautomobile für Aufsehen. Hierzu zählten unter anderem der Typ 40CV mit 9,1-Liter-Reihensechszylinder, der 1925 die Rallye Monte Carlo gewann, sowie der Reinastella, der 1929 die Ära der individuell karossierten Reihenachtzylindermodelle einläutete. Mit dem Suprastella fand diese 1938 ihren krönenden Abschluss.

Expansion nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs setzte der Konzern weiterhin konsequent auf internationale Expansion und eroberte parallel dazu völlig neue Marktsegmente. Den Bedürfnissen der Menschen in der Aufbauzeit entsprechend, brachte Renault einen Kleinwagen auf den Markt, der für viele Menschen erschwinglich war und in der Nachkriegszeit zum Vater des Unternehmenserfolgs avancierte: den 4CV.

1956 debütierte mit der Dauphine ein weiterer Renault Bestseller. Zehn Jahre lang prägte das Kompaktmodell die Straßen in aller Welt. Das auf allen fünf Kontinenten produzierte Modell trug wesentlich zur Internationalisierung der Marke bei.

Legendäre Fahrzeugmodelle mit Kultstatus

Dem wachsenden Wohlstand und den immer differenzierteren Käuferwünschen entsprechend, entwickelte Renault ab den 1960er-Jahren neue Fahrzeuge, die sich durch formale Eigenständigkeit ebenso wie durch ihre neuartigen Konzepte und ihre beispielhafte Funktionalität vom Wettbewerb absetzten. Ein Musterbeispiel dafür ist der 1961 eingeführte Renault 4, der heute als Klassiker gilt. Der Prototyp des modernen Kompaktwagens mit praktischem Steilheck und großer Ladeklappe ist mit über acht Millionen gebauten Einheiten bis heute das meist produzierte Renault Modell.

Eine Revolution in der automobilen Mittelklasse bedeutete 1965 das Debüt des Renault 16. Sein Schrägheck-Design, die praktische Heckklappe und die umlegbare Rücksitzbank erwiesen sich als ebenso wegweisend wie sein neuartiger Vierzylinder-Aluminium-Motor. 1972 folgte mit dem Renault 5 ein weiterer Bestseller, der ebenfalls Kultstatus erlangte.

Der legendäre Renault 4 als Strandfahrzeug mit Badenixe. Foto: Renault

Einen weiteren Meilenstein der Automobilgeschichte verkörperte der 1984 vorgestellte Renault Espace. Der Urvater aller europäischen Vans verkörpert das ultimative „Auto zum Leben“. Mit weiteren Modellen im sogenannten One-Box-Design, dem Twingo (1993) und dem Scénic (1996), führte Renault diese Linie konsequent weiter.

Als Global Player ins neue Jahrtausend

Nach der Privatisierung im Jahr 1996 verstärkte Renault sein internationales Engagement nochmals. Einen wesentlichen Schritt markierte die 1999 geschlossene Allianz mit Nissan, die neben Nutzung von Synergien auch die gegenseitige Unterstützung bei der Erschließung internationaler Märkte ermöglicht. Weitere Schritte in Richtung Globalisierung waren die Übernahme des rumänischen Herstellers Dacia, ebenfalls im Jahr 1999, sowie die Gründung der Renault Samsung Motors in Korea im Jahr 2000.

Im Rahmen seiner strategischen Partnerschaft mit AVTOVAZ trägt Renault außerdem seit 2008 entscheidend zur Erneuerung der Lada Modellpalette bei. Im April 2010 unterzeichneten die Renault-Nissan Allianz und die Daimler AG eine weitreichende strategische Kooperation.

Ende 2013 vereinbarten Renault und der zweitgrößte chinesische Automobilhersteller Dongfeng Motor ihre Zusammenarbeit. Das neu gegründete Joint Venture Dongfeng Renault Automotive Company (DRAC) investierte 870 Millionen Euro in eine moderne Produktionsstätte in Wuhan, die 150.000 Fahrzeuge pro Jahr fertigen kann. Langfristig wird eine Produktion von 300.000 Einheiten angestrebt. Anfang 2016 wurde das Werk eröffnet.

Seit 2016 zählt Mitsubishi Motors zur Renault-Nissan Allianz.

Der kleine Freund: Renault 5 mit „will-haben-Faktor“. Foto: Renault

FOKUS AUF ElektroMOBILITÄT

Einen besonderen Fokus richtet Renault auf das Thema Elektromobilität. Der Hersteller ist Marktführer in Europa und in Deutschland im Bereich rein elektrischer Fahrzeuge. Mit dem Stadtlieferwagen Kangoo Z.E., dem Cityflitzer Twizy sowie dem ZOE – Europas meistverkauftem E-Auto – hat Renault heute eine umfassende Modellpalette mit reinem Elektroantrieb im Programm. Im Frühjahr 2018 wird der Hersteller mit dem Elektrotransporter Master Z.E. seine E-Fahrzeug-Offensive weiter fortsetzen.

Daneben weitete Renault seit 2013 mit Captur, Kadjar und Koleos das Angebot an Crossover-Modellen aus. Mit dem Kwid kam 2015 außerdem ein maßgeschneidertes Einstiegsmodell für Indien und Lateinamerika auf den Markt. Die Premiere des Duster Oroch für den südamerikanischen Markt und des Alaskan markierten den Einstieg ins weltweit wachstumsstarke Pick-up-Segment.

Neuer Strategieplan weist in die Zukunft

Der Strategieplan „Drive The Future 2017-2022“ weist für die Renault Gruppe den Weg in die Zukunft. Im Rahmen des Sechs-Jahres-Plans will der Konzern bis 2022 den jährlichen Umsatz auf über 70 Milliarden Euro steigern und die operative Marge der Gruppe auf über sieben Prozent erhöhen. Die Zahl der weltweit verkauften Fahrzeuge soll auf über fünf Millionen pro Jahr wachsen. Um die Position der Renault Gruppe im Bereich Elektromobilität zu stärken, sollen bis 2022 insgesamt acht rein elektrische Fahrzeuge und zwölf elektrifizierte Modelle auf dem Markt kommen. Außerdem werden 15 Fahrzeuge mit autonomen Fahrfunktionen entwickelt. Um diese Ziele zu erreichen, wird die Gruppe 18 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investieren.

Gasturbinenfahrzeug Etoile Filante von 1965. Die Salzseen von Bonneville in den USA wurden immer wieder für Rekordfahrten genutzt. Foto: Renault

120 JAHRE RENAULT – DIE WICHTIGSTEN MEILENSTEINE

Dezember 1898: Louis Renault präsentiert den Prototyp der „Voiturette“
1906: Sieg mit dem Typ AK beim ersten Grand Prix der Motorsport-Geschichte
1907: Gründung der Renault Frères Automobil Aktiengesellschaft in Berlin
1925: Sieg bei der Rallye Monte Carlo mit dem Typ 40CV
1929: Baubeginn des Renault Werks auf der Seine-Insel Seguin in Boulogne-Billancourt
1929: Debüt für den Reinastella, erstes Achtzylindermodell von Renault
1937: Der Juvaquatre kommt auf den Markt, erstes Renault Modell mit Einzelradaufhängung und selbsttragender Karoserie
1946: Auf dem Pariser Salon wird der Kleinwagen 4CV vorgestellt.
1956: Einführung der Dauphine
1961: Marktstart für den Renault 4, mit über acht Millionen Fahrzeugen meistgebautes Renault Modell
1965: Premiere der Schräghecklimousine Renault 16
1972: Der Renault 5 kommt auf den Markt
1984: Einführung des Espace, der ersten Großraumlimousine Europas
1993: Debüt des Twingo
1996: Mit dem Scénic bringt Renault Europas ersten Kompaktvan auf den Markt
1999: Renault und Nissan schließen eine strategische Allianz
1999: Übernahme von Dacia
2005: Carlos Ghosn wird Vorstandsvorsitzender der Renault Gruppe
2011: Mit dem Kangoo Z.E. ist Renault ein Pionier in der Elektromobilität
2012: Weltpremiere des Elektro-Kompaktwagens ZOE
2013: Mit dem Crossover Captur startet Renault seine SUV-Offensive
2016: Mitsubishi tritt der Renault-Nissan Allianz bei
2017: Renault ist seit 110 Jahren in Deutschland präsent
2017: Die Renault Gruppe stellt den zukunftsweisenden Strategieplan „Drive The Future 2017-2022“ vor
2018: Renault feiert sein 120-jähriges Bestehen

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