Räder – Rennen – Rekorde

19. November 2016

RÄDER – RENNEN – REKORDE,

so lautet der Titel (Untertitel: Fahrdynamik zwischen Leichtbau und Luftwiderstand) für das 4.  Fahrzeughistorisches Symposium von F-kubik in Friedrichshafen am Bodensee vom 9. bis 11. März 2017.  Dann wird die Gruppe F-kubik (Forum für Fahrzeuggeschichte) das 4. Symposium zu Themen der Fahrzeuggeschichte durchführen. Die Themenbeiträge des Symposiums ergänzen die von F-kubik initiierte und inhaltlich mitgestaltete Sonderausstellung „Strom-Linien-Form – Die Faszination des geringen Widerstands“, die seit Anfang November 2016 im Zeppelin-Museum in Friedrichshafen gezeigt wird.

Rekordfahrten von Mercedes-Benz im Herbst 1936. Rudolf Caracciola erzielt mit dem Mercedes-Benz Zwölfzylinder-Stromlinien-Rekordwagen W 25 insgesamt fünf internationale Klassenrekorde und einen Weltrekord. Gefahren wird an zwei Tagen, am 26. Oktober und am 11. November 1936.  Foto: Mercedes-Benz

Rekordfahrten von Mercedes-Benz im Herbst 1936. Rudolf Caracciola erzielt mit dem Mercedes-Benz Zwölfzylinder-Stromlinien-Rekordwagen W 25 insgesamt fünf internationale Klassenrekorde und einen Weltrekord. Gefahren wird an zwei Tagen, am 26. Oktober und am 11. November 1936. Foto: Mercedes-Benz

Die vorgesehenen Fachvorträge werden gezielt auf einzelne Faktoren eingehen, die die Automobil- und Motorradentwicklung wesentlich beeinflusst haben – nicht nur bei Renn- und Rekordfahrzeugen, sondern auch den Serienbau. Im Fokus stehen neben der Technik die Menschen, die als Tüftler, Erfinder und Entwickler ihre teilweise bahnbrechenden Ideen gegen viele Widerstände und Unbekanntes durchsetzen konnten.

Die Tagungsorte der F-kubik-Symposien wechseln seit 2010. Es begann im Horch-Museum in Zwickau, 2012 folgte das ehemalige Borgward-Werk in Bremen und 2014 die Autostadt Wolfsburg. 2017 wird in Friedrichshafen das Zeppelin Museum mit naheliegendem ZF-Forum sowie in Uhldingen-Mühlhofen das Auto- und Traktormuseum Bodensee besucht, in dem inzwischen auch die ehemalige Sammlung von Fritz B. Busch präsentiert wird.

Die Teilnahme am Symposium steht interessierten Personen offen und kostet mit allen Nebenleistungen € 75. Die Zahl der Teilnehmerplätze ist begrenzt. Anmeldungen werden bis 10.Feb.2017 erbeten.  Nähere Informationen unter www.f-kubik.de

Strom-Linien-Form heißt der Titel der Ausstellung im Zeppelin-Museum, die seit Anfang November in Friedrichshafen am Bodensee zu sehen ist. Im März ergänzt das Symposium von F-kubik diese Schau mit den Themen "Räder - Rennen -Rekorde".

Strom-Linien-Form heißt der Titel der Ausstellung im Zeppelin-Museum, die seit Anfang November in Friedrichshafen am Bodensee zu sehen ist. Im März ergänzt das Symposium von F-kubik diese Schau mit den Themen „Räder – Rennen -Rekorde“.

Einen spannenden Beitrag dazu lieferte vor Kurzem auch die Daimler AG, als Mercedes-Benz Classic folgendes zum Thema Rekorde meldete.

Mit zwölf Zylindern auf 372,102 km/h beschleunigt vor rund 80 Jahren ein sensationelles Fahrzeug: Ein neues Rekordfahrzeug mit Stromlinienkarosserie und vollverkleideten Rädern sowie ein ebenfalls neuer V12-Kompressormotor mit 453 kW (616 PS): Damit geht Rudolf Caracciola, Grand-Prix-Europameister von 1935, im Herbst 1936 für Mercedes-Benz auf Rekordjagd. Die Mission gelingt. 372,102 km/h erzielt der Rennfahrer am 26. Oktober 1936 als Spitzenwert, und am 11. November 1936 legt er die neue Weltrekordmarke für 10 Meilen mit fliegendem Start auf 333,489 km/h. Insgesamt verbessert Caracciola fünf bestehende internationale Klassenrekorde der Klasse B für Fahrzeuge mit 5 bis 8 Liter Hubraum und setzt eine Weltrekordmarke neu. 

Rekordfahrten über verschiedene Distanzen mit stehendem und fliegendem Start sind seit 1934 und der damals eingeführten 750-Kilogramm-Rennformel ein fester Bestandteil des jährlichen Rennkalenders. Sie dienen als Ausweis von Technologiekompetenz und werden in der Öffentlichkeit aufmerksam verfolgt. Daimler-Benz feiert 1936 – im Jahr der Olympischen Spiele in Berlin – als  Erfinder des Automobils dessen 50. Geburtstag. Seit jeher dem Wettbewerbsgedanken verpflichtet, tritt es zudem im Herbst mit einem Aufsehen erregenden Rekordwagen an. Der stärkste Konkurrent, die Auto Union, ist da gerade einmal fünf Jahre alt.

Die Fahrten am 26. Oktober 1936 – als „Reifenversuche“ bezeichnet sie die damalige Presseeinladung – finden auf der Autobahn Frankfurt–Heidelberg statt, der heutigen  A5. Waren die Rekordfahrzeuge der Vorjahre noch verkleidete Rennwagen mit modifizierter Karosserie, so steht Rudolf Caracciola 1936 vor einem völlig neuen Fahrzeug, das die Mercedes-Benz Ingenieure einzig für Rekordfahrten konzipiert haben. Es basiert auf dem Fahrgestell des ersten „Silberpfeil“-Rennwagens W 25. Die Stromlinienkarosserie jedoch ist flacher als bisher, und die Räder sind weitgehend in die Karosserie integriert. Die Idee stammt  vom jungen Konstrukteur Josef Müller. Nach einer Besprechung im Windkanal des Luftschiffbau Zeppelin in Friedrichshafen verfasst er bereits im Januar 1935 ein Memorandum mit dem eindeutigen Resümee: In Zukunft sei bei der Gestaltung von Hochgeschwindigkeitsfahrzeugen das Unterbringen der Räder innerhalb der Karosserie unabdingbar. Bei den Abstimmungsfahrten kann Caracciola aus zwei Windschutzscheibenvarianten wählen. Er entscheidet sich aufgrund der besseren Sicht für die flache statt der gebogenen Ausführung.

Rekordfahrten von Mercedes-Benz im Herbst 1936. Rudolf Caracciola erzielt mit dem Mercedes-Benz Zwölfzylinder-Stromlinien-Rekordwagen W 25 insgesamt fünf internationale Klassenrekorde und einen Weltrekord. Gefahren wird an zwei Tagen, am 26. Oktober und am 11. November 1936. Foto: Mercedes-Benz

Rekordfahrten von Mercedes-Benz im Herbst 1936. Rudolf Caracciola erzielt mit dem Mercedes-Benz Zwölfzylinder-Stromlinien-Rekordwagen W 25 insgesamt fünf internationale Klassenrekorde und einen Weltrekord. Gefahren wird an zwei Tagen, am 26. Oktober und am 11. November 1936. Foto: Mercedes-Benz

Eine weitere Neuheit ist der Zwölfzylinder-Kompressormotor mit 5,58 Liter Hubraum und einer Leistung von zunächst 453 kW (616 PS). Der neue V12-Motor bietet das Leistungsniveau, das der Reihenachtzylinder des Grand-Prix-Silberpfeils, wegen der Beschränkungen durch die 750-Kilogramm-Formel trotz beständiger Weiterentwicklung noch nicht erreicht hat. 1936 liegt die Motorleistung des Grand-Prix-Aggregats mit mittlerweile 4,74 Liter Hubraum noch bei 363 kW (494 PS). Demgegenüber liegt der Zwölfzylinder mit der etwas sperrigen internen Bezeichnung M 25 DAB bei einem Leistungsplus von 90 kW (122 PS) in dem für die Rekordfahrt benötigten Bereich. Bis Anfang 1938 gelingt es den Mercedes-Benz Ingenieuren, die Leistung auf bis zu 562 kW (765 PS) zu steigern.

Schon der 26. Oktober 1936 führt zu großartigen Erfolgen. Für den Kilometer mit fliegendem Start wird als Mittelwert aus beiden Richtungen ein neuer Klassenrekord mit 364,38 km/h gemessen. Und das, obwohl der Fahrtwind auf der Hinfahrt die dünnwandige Karosserie am Kühllufteinlass eindrückt und damit die Aerodynamik verschlechtert. Bei der anschließenden Fahrt für die Meile mit fliegendem Start beträgt der Mittelwert 366,9 km/h, wobei auf der Rückfahrt der absolute Spitzenwert von 372,102 km/h gemessen wird.Bei diesem Versuch sind auch die Hinterräder abgedeckt, was danach beibehalten wird. Bei den vorherigen Fahrten ragen sie oben noch ein kleines Stück frei aus der Karosserie heraus. Beim anschließenden Lauf über 5 Kilometer mit fliegendem Start verbessert Caracciola den bestehenden Klassenrekord auf 340,554 km/h (zuvor: 312,419 km/h). Aufkommender Wind zwingt dann zum Abbruch der Rekordfahrten.

Sie werden am 11. November 1936 fortgesetzt. Dem Fahrzeug sind nun verschiedene Verbesserungen an Getriebe und Karosserie mitgegeben.  Aus einem über der Autobahn fliegenden Flugzeug werden Filmaufnahmen der Rekordfahrten angefertigt – damals auch eine Sensation.

 

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  1. Frauenberger November 21st, 2016 at 08:32

    Silberpfeil: Ohne Lack die Legende (eeeeeeeeee).

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