Buchbesprechung: Mercedes-Benz W 123

20. September 2016

Konservativ ist nur eine Möglichkeit, die Bauweise des Mercedes der Baureihe W 123 zu beschreiben. Dieses Auto wirkt wie aus dem Vollen geschnitzt, und der hohe Anteil der Fahrzeuge im deutschen Bestand mit H-Kennzeichen bestätigt. Dass er nicht nur so wirkt, sondern wirklich solide ist. Böse Zungen sagen zwar, „wenn ich Mercedes fahren will, nehme ich mir ein Taxi“, doch in Sachen Zuverlässigkeit und Werterhalt sticht der W 123 die meisten anderen Wagen locker aus.

Mit dem T-Modell von 200 T bis 300 TD gelingt eine exzellente Kombination aus hohem Nutzwert und Lebensart, die heute längst neudeutsch als Lifestyle bezeichnet wird. Die Coupés 230 CE bis 280 CE sind etwas eleganter als der doch etwas unbeholfen wirkende Vorgänger beim Strich-8. Über zwei Millionen Einheiten des Mittelklasse-Mercedes wurden schließlich gebaut und verkauft. Der W 123 steht auch für den Übergang von Vergaser zu Einspritztriebwerken, für noch mehr Popularität des Selbstzünders (der auch ohne Vorglühen startete) und viele Sicherheitsaspekte – ein Meilenstein.

Die Baureihe W 123 wurde in verschiedenen karosserievarianten über 2,7 Millionen mal verkauft. Die ganze Geschichte findet sich jetzt zwischen Buchdeckeln auf 192 Seiten wieder: 39,90 Euro bei Delius-Klasing. Foto: DK

Die Baureihe W 123 wurde in verschiedenen karosserievarianten über 2,7 Millionen mal verkauft. Die ganze Geschichte findet sich jetzt zwischen Buchdeckeln auf 192 Seiten wieder: 39,90 Euro bei Delius-Klasing. Foto: DK

Das neue Buch von Brian Long widmet sich allen Aspekten der Baureihe, bespricht alle angebotenen Motorisierungen und Karosserievarianten bis hin zu Kapiteln über Motorsport und Tuning oder über Forschungsfahrzeuge. Die Übersetzung des im Original englischen Werkes besorgte Thomas Imhof, ein ausgewiesener Kenner der Marke mit zahlreichen eigenen Publikationen. Ohne das im Detail verifizieren zu können, darf getrost davon ausgegangen werden, dass die Fakten zwischen den Buchdeckeln stimmen.

Long ist zum Glück des Lesers kein Deutscher, was ihm eine etwas andere, weitere Sichtweise ermöglicht. So blickt und schreibt er über den Tellerrand des Michels hinaus auch aus amerikanischer, englischer und japanischer Sicht. Eine Analyse von Tests in Fachzeitschriften hätte vielleicht noch die eine oder andere Kritik etwas verdeutlicht.

Der Anhang mit einer Chronik der Modellreihen, der Motorspezifikationen  und der Fahrgestellnummern und Produktionszahlen liefert einen soliden Überblick über diese Fahrzeuge der goldenen Ära, als Mercedes-Verkäufer noch hochnäsig durch den Ausstellungsraum spazierten. Viel hat sich seither verändert.

Gelungen ist auch die Gestaltung des Buchs sowie die Verarbeitung mit festem Einband und Schutzumschlag. Eine gute Mischung aus farbigen und schwarz/weißen Bildern sowie Grafiken und Schnittzeichnungen, mit kleinen und größeren  bis ganzseitigen Fotos gefällt. Dieses Buch gehört in jede Sammlung automobiler Lektüre und ist ein MUSS für jeden Freund der Marke.

Brian Long, Mercedes-Benz – die Baureihe W 123 von 1976 bis 1986, Delius Klasing, 1. Auflage 2016, Format 259 x 255 mm, 192 Seiten, 154 Farb- und 112 s7w-Fotos und weitere Abbildungen, 39,90 Euro, ISBN 978-3-667-10693-3

 

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0.0/10 (0 votes cast)
VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0 (from 0 votes)

Eine Reaktion

  1. Frauenberger September 23rd, 2016 at 17:38

    Auch andere Autoren sind lesenswert und wenn dieser Band nur ähnlich gut ist, wie das Werk über die Baureihe R/C107 von Long, kann weder Kauf noch Lektüre falsch sein.
    Brian writes along.

    VA:F [1.9.22_1171]
    Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
    VA:F [1.9.22_1171]
    Rating: 0 (from 0 votes)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste VideosMehr Videos »