Columbos Dienstwagen

7. Juli 2016

Perfekter spiegelt kein anderes französisches Mittelklasse-Cabriolet die Eleganz der frühen Ponton-Ära: Der seinerzeit von der Fachpresse und dem Publikum als formvollendet bewertete offene Peugeot 403 war aus der kreativen Zusammenarbeit zwischen dem Peugeot Centre de Style unter der Leitung von Henri Thomas und dem italienischen Designstudio Pininfarina entstanden. Mit seinem großen Faltverdeck und optionalem Hardtop fuhr das im Sommer 1956 in Produktion gegangene Peugeot 403 Cabriolet seiner Zeit weit voraus. Bot der Viersitzer doch eine der ersten Möglichkeiten überhaupt, faszinierendes Frischluftvergnügen in der 1,5-Liter-Mittelklasse mit einer damals modernen, selbsttragenden Pontonkarosserie zu genießen.

Überraschend unkompliziert gestaltete sich für die Passagiere des Peugeot auch der Einstieg zu den Fondsitzen, denn die Lehnen der Vordersitze schwenkten weit nach vorn und zur Seite. Komfort schrieb Peugeot auch für den Fahrer groß, konnte doch dieser optional das Kuppeln beim Gangwechsel einer innovativen elektromagnetischen Kupplung von Jaeger überlassen. Selbst die amerikanischen Autokunden begeisterten sich für diese exklusivste Form, einen Peugeot 403 zu fahren, so sehr, dass sie dem eleganten Cabriolet durch den populären TV-Inspektor Columbo ein filmisches Denkmal setzten.

Fast wie Inspektor Columbos Dienstwagen, aber ohne Beulen: 403 Cabriolet aus dem Peugeot-Museum. Foto: Peugeot

Fast wie Inspektor Columbos Dienstwagen, aber ohne Beulen: 403 Cabriolet aus dem Peugeot-Museum. Foto: Peugeot

Als Limousine wurde der zeitlos elegant gezeichnete Peugeot 403 zum ersten weltweit verkauften Millionen-Star der Löwenmarke, als Cabriolet dagegen zum ewig jungen Kultmodell aus Sochaux. Tatsächlich gelang der Modellreihe 403 mit insgesamt über 1,2 Millionen verkauften Fahrzeugen aller Karosserievarianten als erstem Peugeot der Sprung in den damals noch elitären Club der Produktions-Millionäre. Das verführerisch schöne Cabriolet ermöglichte eine exklusive Form des Offenfahrens. In den Jahren 1956 bis 1961 wurden im Werk La Garenne lediglich 2.050 Exemplare des offenen Peugeot 403 gebaut.

Bis heute begehrenswert macht den offenen Peugeot 403 nicht nur die vollendete Linienführung aus der Kooperation zwischen Peugeot und Pininfarina, sondern auch die außergewöhnliche hohe Produktqualität. Damit setzte die ganze Modellreihe von Beginn an Bestwerte in Mängelstatistiken und Maßstäbe bei den Restwerten auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Und das 403 Cabriolet als damals größtes und teuerstes Peugeot Modell gewann sofort Liebhaberstatus, wovon Lieferzeiten ebenso kündeten wie eine überraschend große Nachfrage in Nordamerika, dem in den 1950er-Jahren weltweit größten Markt für Premiumfahrzeuge.

Eines von sieben „Best made cars in the world“

Die Kombination aus elegantem französischem Lifestyle und außergewöhnlicher Robustheit war es, die das Peugeot 403 Cabriolet für eine Karriere als automobiler Hollywood-Filmstar prädestinierten. Dieser Hype erreichte seinen Höhepunkt sogar erst sieben Jahre nach Produktionsende des Wagens. Denn 1968 startete der amerikanische TV-Inspektor Columbo seine Ermittlungen unter Hollywoods Reichen und Schönen in der über 25 Jahre laufenden Krimiserie (die bis heute auch im deutschen Fernsehen läuft) mit einem ebenso betagten und verbeulten wie meist zuverlässigen 403 Cabriolet.

Ab 1959 gebaut: Peugeot 403 Cabriolet. Foto: Peugeot.

Ab 1959 gebaut: Peugeot 403 Cabriolet. Foto: Peugeot.

Damit bestätigte dieses überwiegend mit geschlossenem Verdeck bewegte Filmfahrzeug eindrucksvoll das Urteil amerikanischer Fachleute, die den Peugeot 403 schon in den 1950er-Jahren zu einem der sieben „Best made cars in the world“ erklärt hatten. Und nicht wenige Besucher der Universal Filmstudios suchten auf dem Parkplatz der automobilen Helden besonders aufmerksam nach Columbos scheinbar unkaputtbarem Peugeot Cabriolet, das laut Filmskript schon weit über 100.000 Meilen (160.000 Kilometer) alt war.

Vom Prestigemodell zum Sammlerfahrzeug

In Deutschland werden Peugeot Automobile zwar schon seit 1907 verkauft, aber erst die Modellreihe 403 machte die Marke so bekannt, dass Peugeot der Aufstieg zum zeitweise drittstärksten Importeur gelang. Dazu beitragen konnte auch das repräsentative 4,47 Meter messende 403 Cabriolet Grand Luxe in faszinierenden Formen und mit raffinierten, liebevoll verarbeiteten Interieur-Details, die Wohlfühlambiente garantierten.

Dieser Open-Air-Star wurde durch einen 43 kW (58 PS) starken und laufruhigen 1,5-Liter-Vierzylinder-Benziner angetrieben und krönte das Peugeot-Modellprogramm, zumal er gegenüber der 403 Limousine rund 70 Prozent mehr kostete. Trotzdem war das Peugeot 403 Cabriolet damit noch preiswerter als fast alle Wettbewerber.

Bei geöffnetem Verdeck und dank voll versenkbarer Seitenfenster hatten alle Passagiere einen luftigen Platz an der Sonne. Überraschend ruhig war die Fahrt im 403 mit geschlossenem Faltdach. Wer noch mehr Stille suchte oder zusätzlichen Schutz vor der Kälte des Winters, konnte ab 1959 ein leichtgewichtiges Kunststoff-Hardtop ordern. Damit präsentierte sich der Peugeot 403 fast wie ein sportives Coupé. Sanfte Modellpflege genügte, um das solide und vergleichsweise verwindungssteife Cabriolet bis 1961 aktuell zu halten. Dann zog sich der Sonnenstar still und leise zurück, um für das nachfolgende Peugeot 404 Cabriolet Platz zu machen. In der Sammlerszene entwickelte sich das Peugeot 403 Cabriolet nun erst Recht zum Kultmodell, entsprechend begehrt ist Columbos früherer Dienstwagen bis heute.

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