40 Jahre Peugeot 604

11. August 2015

Allenthalben feiern verschiedene Modelle und Firmen mehr oder weniger runde Jubiläen, so natürlich auch im Jahr 2015. Vor 60 Jahren hatte der Citroen DS seinen ersten Auftritt, vor 30 Jahren der Porsche 959 und eben vor 40 Jahren brachte die Löwenmarke aus Sochaux eine kantige Stufenheck-Limousine auf den Markt. In Deutschland war das gegen Mercedes und BMW neben Volvo, Renault und anderen Protagonisten in der oberen Mittelklasse kein durchschlagender Erfolg. Nur wenige Peugeot 604 haben überlebt.

Ein kleiner Rückblick: Der Peugeot 601 zeigte in den 1930er-Jahren auf formvollendete Weise, welche Fahrkultur prestigeträchtige Automobile französischer Provenienz bieten konnten. Ab 1975 war es der luxuriöse Peugeot 604, der mit dem ersten neu entwickelten französischen Sechszylinder der Nachkriegszeit eine Führungsrolle beanspruchte.

Peugeot 604 des Jahrgangs 1982. Foto: Peugeot.

Peugeot 604 des Jahrgangs 1982. Foto: Peugeot.


„Fachleute sind fest davon überzeugt, dass er in seiner Klasse der Komfortabelste ist“, konnte die Peugeot Werbung die hervorragenden Bewertungen eines frühen Vergleichstests resümieren. Zur Halbzeit seiner über zehnjährigen Produktionszeit überraschte der Peugeot 604 als erste in Europa verkaufte Oberklasselimousine mit einem ebenso leistungsstarken wie effizienten Turbo-Dieselmotor. Gleich mit welchem Motor – global begeistern konnte die in über 153.000 Einheiten verkaufte Luxuslimousine auch durch ihre zeitlos eleganten Linien: Das Ergebnis einer erfolgreichen Kooperation zwischen dem Peugeot Centre de Style und dem italienischen Stardesigner Pininfarina. Überdies entwickelten die französischen Carrossiers Heuliez und Chapron Langversionen und Landaulets, wodurch der Peugeot 604 auch die Funktionen einer repräsentativen Staatslimousine übernahm.

Jahrgang 1979 vom Peugeot 604. Foto: Hersteller.

Jahrgang 1979 vom Peugeot 604. Foto: Hersteller.

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4,72 Meter Länge galten vor 40 Jahren als adäquat für eine europäische Luxuslimousine. Wer noch mehr Raum wollte, konnte die Limousine mit um bis zu 62 Zentimeter verlängerten Radstand ordern, der dann vom Karosseriewerk Heuliez in Form des Peugeot 604 HLZ realisiert wurde. Zusätzliche Klappsitze im Fond, Fernsehen, Bar und Bürokommunikationstechniken prädestinierten den Peugeot 604 HLZ für präsidiale Aufgaben. Denen wurde auch das Basismodell des Peugeot 604 mit opulenter Serienausstattung gerecht: Statt der bei anderen Marken üblichen langen Aufpreislisten umfassten die Optionen beim Peugeot 604 anfangs nur die Positionen Getriebeautomatik, elektrisches Schiebedach und Ledersitze.


So war der Peugeot 604 über viele Jahre fester Bestandteil des präsidialen Fuhrparks in Frankreich und besonders Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing empfing mit der größten Limousine der Löwenmarke viele Staatsgäste. Auch die politische und gesellschaftliche Prominenz anderer Nationen vertraute auf die Führungsqualitäten des Peugeot Flaggschiffs. Tatsächlich wurde der Peugeot 604 auf allen Kontinenten verkauft. Besonders bemerkenswert dabei sind der jahrelange Vertrieb in Korea und in Nordamerika. Während der Peugeot auf dem aufstrebenden koreanischen Automobilmarkt zum Inbegriff eines großen Prestige-Pkw wurde, sollte sich der Sechszylinder-Benziner in den USA vor allem durch seinen souveränen Fahrkomfort von europäischen Wettbewerbern absetzen.

Langversion des Peugeot 604 mit Aufbau von Heuliez. Foto: Peugeot.

Langversion des Peugeot 604 mit Aufbau von Heuliez. Foto: Peugeot.

In Frankreich wurde die Vorstellung des neuen V-Sechszylindermotors als Ereignis nationaler Bedeutung gewürdigt. Schließlich symbolisierte dieses Triebwerk – das 1974 zuerst im Peugeot 504 Coupé debütierte und wenige Monate später auch in der 604 Limousine glänzte – die Rückkehr in die Prestigeklasse, die bis zum Zweiten Weltkrieg maßgeblich von französischen Marken geprägt worden war. Zugleich ist der leichtgewichtige Aluminium-Motor aber auch ein frühes Beispiel für Downsizing, sollte er doch zunächst als V8 in Serie gehen. Nach der Energiekrise von 1973/74  wurde das Aggregat als 2,7-Liter-V6 realisiert, der im Peugeot 604 SL 100 kW (136 PS) leistete und sich mit einem Normverbrauch von 12,1 Liter Super auf 100 Kilometer begnügte.


Noch effizienter war der zwei Jahre später eingeführte Peugeot 604 TI mit K-Jetronic-Einspritzanlage und serienmäßigem Fünfganggetriebe. Dieser zugleich auf 106 kW (144 PS) erstarkte V6 war nicht nur sparsamer, sondern auch noch umfassender ausgestattet als das Vergasermodell. Der Anfang kontinuierlicher Weiterentwicklungen, mit denen das Peugeot Flaggschiff bis zum Ende seiner langen Produktionszeit eine Führungsposition belegen sollte – zuletzt als 604 GTI mit auf 2,85-Liter Hubraum vergrößertem V6 und 110 kW (150 PS) Leistung.


Schnelle Turbo-Diesel in der Business Class? Das war für europäische Autokäufer in den 1970er-Jahren unvorstellbar – bis im Jahr 1979 der Peugeot 604 D turbo vorfuhr. Mit dem neu entwickelten 59 kW (80 PS) starken 2,3-Liter-Vierzylinder mit Garrett-Turbolader präsentierte Peugeot den ersten Turbodiesel-Pkw der Welt, der in Europa verkauft wurde. Aber nicht nur dort, auch in Nordamerika fand der luxuriöse und bis zu 157 km/h schnelle Diesel seine Fans: 6,1 Liter Normverbrauch bei 90 km/h. Damit war der Peugeot 604 als erster Turbodiesel wegweisend.

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