Nutzfahrzeugmuseum Sittensen zieht nach Einbeck

21. Juli 2015

Eine große Sammlung historischer Nutzfahrzeuge, das „Mobile Nutzfahrzeugmuseum Sittensen“, findet künftig eine neue Heimat im niedersächsischen Einbeck. Dem Stifter des PS.SPEICHER Karl-Heinz Rehkopf und der Kulturstiftung Kornhaus ist es in Abstimmung mit Wirtschaft und Politik des Landes Niedersachsen gelungen, erneut eine einmalige Sammlung deutscher technischer Kulturgüter vor dem Verkauf ins Ausland zu retten und sie nach Einbeck zu holen! Erst vor wenigen Jahren hatte Rehkopf die Kleinwagensammlung Störy für Einbeck gewinnen können. Der fahrbereite Teil der Sammlung soll im September in einem sehenswerten Korso nach Einbeck überführt werden.


Bei dem Nutzfahrzeugmuseum Sittensen handelt sich um die komplette LKW-Sammlung von Emil Bölling, einem profunden Kenner von historischen Lastwagen. Schon einmal stand die Sammlung vor der Auflösung. Damals übernahm die Alga Nutzfahrzeug- und Baumaschinen GmbH & Co KG Sittensen Teile der Sammlung, Bölling blieb aber für sie verantwortlich. Durch den plötzlichen Tod Böllings stand sie nun erneut vor dem Ende.

Der Sammler Emil Bölling am Steuer eines Nutzfahrzeuges. Bild: privat/ Kulturstiftung Kornhaus.

Der Sammler Emil Bölling am Steuer eines Nutzfahrzeuges. Bild: privat/ Kulturstiftung Kornhaus.


In Einbeck wird sie nun in idealer Weise die Sammlungen von Karl-Heinz Rehkopf ergänzen. Dabei ist zunächst nicht an eine direkte räumliche Anbindung an den PS.SPEICHER gedacht. Ein endgültiges Ausstellungskonzept soll aber bis zum nächsten Jahr entwickelt werden. Auf jeden Fall wird in Einbeck eine zusätzliche Attraktion entstehen, die auch bedeutende Auswirkungen auf die weitere Entwicklung der südniedersächsischen Stadt haben dürfte.


Bis zu seinem Tod im Alter von 83 Jahren im Februar 2015 betreute Emil Bölling die Fahrzeuge. Er galt als wichtiger Antrieb und als Seele des Museums in Sittensen. So sorgte er nicht nur dafür, dass der größte Teil der Fahrzeuge stets gewartet und fahrbereit blieb, er gründete auch den „Förderkreis Mobiles Nutzfahrzeugmuseum“. Sein plötzliches Ableben sorgte in der LKW-Szene für eine tiefe Betroffenheit. Neben Lastkraftwagen, Kippern und Zugmaschinen gehören auch Dampfwalzen, Umzugswagen, Busse, Planierraupen und Seilbagger zu dem großen Fundus. Dazu kommen fast 20 Feuerwehrfahrzeuge unterschiedlicher Größe.


Die Übernahme nach Einbeck wurde nach längeren Verhandlungen dadurch möglich, dass beide Seiten zwar einen kompletten sofortigen Umzug nach Einbeck, jedoch einen sukzessiven Ankauf der Exponate durch die Einbecker vereinbarten.

„Ernst“ ist der Spitzname eines Mercedes-LKW der Baureihe L6500 aus den 30er Jahren.  Der Name geht zurück auf einen Fahrer, der ein baugleiches Fahrzeug in der Firma des Vaters von Emil Bölling fuhr. Das Fahrzeug selbst ist verloren gegangen, aber einige Jahre nach dem zwei-ten Weltkrieg setzte Bölling alles daran, einen baugleichen Typ zu finden, was ihm dann auch unter Verwendung von Originalteilen schließlich auch gelang. Im Gedenken an den Fahrer des ursprünglichen LKW benannt Bölling den Wagen „Ernst“. Es war zugleich das erste Fahrzeug seiner Sammlung. Foto: Kulturstiftung Kornhaus.

„Ernst“ ist der Spitzname eines Mercedes-LKW der Baureihe L6500 aus den 30er Jahren. Der Name geht zurück auf einen Fahrer, der ein baugleiches Fahrzeug in der Firma des Vaters von Emil Bölling fuhr. Das Fahrzeug selbst ist verloren gegangen, aber einige Jahre nach dem zwei-ten Weltkrieg setzte Bölling alles daran, einen baugleichen Typ zu finden, was ihm dann auch unter Verwendung von Originalteilen schließlich auch gelang. Im Gedenken an den Fahrer des ursprünglichen LKW benannt Bölling den Wagen „Ernst“. Es war zugleich das erste Fahrzeug seiner Sammlung. Foto: Kulturstiftung Kornhaus.

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In einem ersten Schritt geht es darum, die Sammlung zu überführen. In einem zweiten Schritt wollen die Betreiber des PS.SPEICHER Konzepte entwickeln, um die Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wenn die Sammlung auch nicht im PS.SPEICHER stehen kann, wird sicherlich das eine oder andere Objekt dennoch dort Verwendung finden. So befinden sich auch drei fahrbereite Oldtimer-Busse in der Sammlung, die zum Beispiel für Charterfahrten mit Gruppen eingesetzt werden können. „Das wird sicherlich eine schöne Attraktion für viele Gäste aber auch für die Einbecker selbst“, meint der neue Geschäftsführer des PS.SPEICHER, Lothar Meyer-Mertel.


Die Fahrzeuge werden in den Hallen des Einbecker Unternehmers Michael Stadler in der Otto-Hahn-Straße untergebracht. Dort sollen später Depotbesichtigungen und Führungen für geschlossene Gruppen möglich sein. Auch der Kontakt zum Sittenser Förderkreis des Museums soll gepflegt werden, um das Wissen und die Tatkraft der hoch engagierten Mitglieder für Einbeck erhalten zu können.


Die über 100 Exponate werden Schritt für Schritt nach Einbeck überführt. Der Hauptteil fahrbereiter LKW soll im September in einem Fahrzeugkorso auf eigener Achse nach Einbeck rollen. Wenn alles klappt, werden sich dann bis zu 40 historische Fahrzeuge auf die 219 Kilometer lange Reise von Sittensen nach Einbeck begeben. Der Korso dürfte nicht nur medial für große Aufmerksamkeit sorgen, sondern auch für die Techniker und vor allem die Fahrer zu einer großen Herausforderung werden. Entsprechend soll der Korso von Begleitfahrzeugen der Polizei eskortiert werden.


„Im Grunde ist das auch eine große Gedächtnisfahrt für Emil Bölling und eine Verbeugung vor seiner Lebensleistung“, beschreibt Sammler und Stifter Karl-Heinz Rehkopf den anstehenden Fahrzeugumzug in seine Heimatstadt, „er hätte sich sicherlich gefreut, das zu erleben“. Das bestätigen auch die Töchter von Emil Bölling, Bettina und Susanne Huth aus Sprendlingen, die eigens zur Bekanntgabe der Sammlungsübergabe nach Einbeck gekommen sind: „Wir sind sehr froh zu wissen, dass das Erbe unseres Vaters in guten Händen ist.“

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