Sieben Mercedes-Benz 300 SLR beim Goodwood Festival of Speed

24. Juni 2015

Beim Goodwood Festival of Speed hat der erfolgreichste Rennsportwagen der Motorsportsaison 1955 einen sensationellen Gala-Auftritt: 60 Jahre nach dem Mille-Miglia-Sieg von Stirling Moss auf Mercedes-Benz 300 SLR feiert die größte automobile Gartenparty der Welt vom 25. bis 28. Juni 2015 die britische Rennfahrer-Ikone Moss und seinen damaligen Teamkollegen Hans Herrmann in ihren authentischen silbernen Rennsportwagen.

Premium-Wettbewerber aus Ingolstadt Audi Tradition geht sowohl auf zwei als auch auf vier Rädern an den Start: Nick Mason, der Schlagzeuger von Pink Floyd, steuert einen Auto Union Typ D Doppelkompressor. Der frühere Vize‑Motorradweltmeister Ralf Waldmann pilotiert eine NSU Sportmax von 1955. Ebenfalls in Goodwood dabei ist eine NSU Bullus von 1931.


„Sieben originale Mercedes-Benz 300 SLR Rennsportwagen, vereint mit den Rennfahrern von einst beim faszinierenden Festival of Speed – das ist eine einzigartige Reminiszenz an die Motorsportsaison 1955“, sagt Michael Bock, Leiter Mercedes-Benz Classic und Kundencenter. „Wir freuen uns, den 60. Geburtstag des erfolgreichsten Jahres in der Motorsportgeschichte von Mercedes-Benz gemeinsam mit Sir Stirling Moss und Hans Herrmann sowie den sechs 300 SLR aus unserer Fahrzeugsammlung und dem 300 SLR aus dem nationalen französischen Automobilmuseum in Mulhouse feiern zu dürfen.“ Während die einen feiern, gedenken die anderen auch anlässlich der 24 Stunden von Le Mans einem anderen Jubiläum mit weniger freudigem Hintergrund: dem tragischen Unfall, bei dem vor 60 Jahren beim Langstreckenklassiker viele Zuschauer in den Tod gerissen wurden. Auch da war Mercedes-Benz beteiligt.


Zurück nach Goodwood: Vom 300 SLR Rennsportwagen, mit dem Mercedes-Benz 1955 auf Anhieb die Sportwagen-Weltmeisterschaft gewinnt, entstehen lediglich neun Exemplare. Acht dieser 300 SLR sind erhalten, die Fahrzeugsammlung von Mercedes-Benz Classic hütet sechs Fahrzeuge davon, die sich durch ihre ganz unterschiedlichen Biografien auszeichnen. Neben den 1955 so erfolgreichen offenen Rennsportwagen mit den Chassis-Nummern 1 bis 6 gehören zur exklusiven Familie der Baureihe W 196 S auch zwei für Langstreckenwettbewerbe vorgesehene Coupés, die allerdings nie zum Renneinsatz kommen. Sie tragen die Nummern 7 und 8. Bereits mit Blick auf die Saison 1956 entsteht das Fahrzeug mit der Nummer 10 mit modifizierter Technik. Ein Fahrzeug mit der Nummer 9 hat es auch nach jüngsten Recherchen offenbar nie gegeben.

Mercedes-Benz bei der Mille Miglia 2015 - Auftritt beim Goodwood Festival of Speed. Foto: Mercedes-Benz.

Mercedes-Benz bei der Mille Miglia 2015 – Auftritt beim Goodwood Festival of Speed. Foto: Mercedes-Benz.


In Goodwood präsentiert Mercedes-Benz Classic die Fahrzeuge mit den Chassis-Nummern 1, 2, 4, 5 (Letzteres als Leihgabe aus dem Besitz der französischen Cité de l’Automobile, Collection Schlumpf), 7, 8 sowie 10. So gewährt das Festival of Speed 2015 im packenden Ambiente vergangener Motorsport-Epochen einen umfassenden Blick auf die verschiedenen Entwicklungsstufen des W 196 S. Ein besonderes Highlight ist das Wiedersehen von Sir Stirling Moss mit dem 300 SLR mit der Chassis-Nummer 4. Denn auf diesem Fahrzeug im Originalzustand gewinnt Moss die Mille Miglia 1955 – den ersten Einsatz des Rennsportwagens überhaupt – mit der besten Zeit, die je in dem Tausend-Meilen-Rennen erzielt wird. Als Reminiszenz an diesen Sieg trägt das Fahrzeug in Goodwood die legendäre Startnummer 722, mit der Moss und sein Kopilot Denis Jenkinson am 1. Mai 1955 um 7:22 Uhr in der Mille Miglia an den Start gehen.


Stirling Moss und Hans Herrmann gehören 1955 zu den Rennfahrern, die großen Anteil am überwältigenden Mercedes-Benz-Erfolg in der Motorsport-Saison 1955 haben. Das Wiedersehen der beiden Zeitzeugen mit den sieben 300 SLR beim Festival of Speed 2015 wird so zu einer ebenso faszinierenden wie authentischen Zeitreise. Die Besucher spüren hautnah, wie das perfekte Zusammenspiel von Mensch und Maschine auch 60 Jahre später noch wunderbar funktioniert: Sowohl Sir Stirling Moss als auch Hans Herrmann steigen nach mehr als sechs Jahrzehnten in ihre Rennsportwagen von 1955 und pilotieren diese über die Bergrennstrecke. Insbesondere Sir Stirling Moss steht mit seinen Siegen bei der Mille Miglia, der International Tourist Trophy (mit John Cooper Fitch) und der Targa Florio (mit Peter Collins) für die Renngeschichte des 300 SLR. Aber auch Hans Herrmann gilt 1955 als heißer Favorit auf den Sieg bei der Mille Miglia, bis er auf Platz zwei liegend durch einen unglücklichen Defekt ausscheidet.


Neben Sir Stirling Moss und Hans Herrmann sind beim Festival of Speed 2015 weitere Mercedes-Benz Markenbotschafter wie Klaus Ludwig, Jochen Mass, Sir Jackie Stewart und Susie Wolff zu Gast.

Mercedes-Benz 300 SLR und die Protagonisten der damaligen Zeit - bis heute gerne dabei. Foto: Mercedes-Benz.

Mercedes-Benz 300 SLR und die Protagonisten der damaligen Zeit mit Susie Wolff. Foto: Mercedes-Benz.

Bekannt als „die größte automobile Gartenparty der Welt“ zelebriert das 1993 erstmals ausgerichtete Festival vor der exklusiven Kulisse von Goodwood House die Kultur und Ästhetik sportlicher Automobile und Motorräder. Im Mittelpunkt des Festivals stehen Wettbewerbsfahrzeuge und Sportwagen, die ein Sinfoniekonzert des Motorsports und der Geschwindigkeit aufführen. Höhepunkte sind dabei die Fahrten auf der historischen Bergrennstrecke, die an allen drei Tagen ab 8:45 Uhr starten, sowie das für alle Besucher geöffnete Fahrerlager mit seiner einzigartigen Nähe zu exklusiven sportlichen Fahrzeugen aller Epochen und Kategorien. Dazu kommen zahlreiche weitere Programmpunkte wie etwa Fahrten auf der Rallye-Strecke im Wald des Landsitzes, die Versteigerung kostbarer Klassiker durch das Auktionshaus Bonhams oder der Überflug der Kunstflieger der britischen Royal Air Force.

Mercedes-Benz Classic verbindet eine lange und starke Partnerschaft mit dem Festival of Speed. Im Jahr 2014 setzte die Stuttgarter Marke beim Festival of Speed bereits starke Akzente, als sie anlässlich des Jubiläums von 120 Jahre Motorsport von Mercedes-Benz zahlreiche berühmte Siegerfahrzeugen aus der Unternehmenssammlung in Goodwood präsentierte. Außerdem widmete 2014 der Bildhauer Gerry Judah die Skulptur „Central Feature“ der einzigartigen Rennsporthistorie der Marke Mercedes-Benz. Zusammen mit den originalen Rennwagen und Rennsportwagen der Fahrzeugsammlung von Mercedes-Benz tragen beim Festival of Speed traditionell auch viele private Sammler mit ihren herausragenden Klassikern dazu bei, die sportliche Geschichte der Stuttgarter Marke aufleuchten zu lassen.


Diesem starken Erzählstrang aus Geschichte und Geschichten steht kraftvoll der moderne Auftritt der Marke gegenüber: So ist 2015 das Mercedes AMG Petronas Formel-1-Team in Goodwood zu Gast. Der amtierende Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton und sein Teamkollege Nico Rosberg treffen auf die Rennsport-Helden von 1955. Aktuelle Mercedes-Benz Sportwagen und Fahrzeuge von Mercedes-AMG präsentiert zudem die „Moving Motor Show“ am 25. Juni. Mit dem Defilee sportlicher Automobile beginnt das Festival of Speed seit 2010 immer am Donnerstag.

Stirling Moss vor Hans Hermann im 300SLR - hier noch bei der diesjährigen Mille Miglia,, am Wochenende in Goodwood. Foto: Mercedes-Benz.

Stirling Moss vor Hans Herrmann im 300SLR – hier noch bei der diesjährigen Mille Miglia,, am Wochenende in Goodwood. Foto: Mercedes-Benz.

Die Fahrzeuge von Mercedes-Benz Classic beim Goodwood Festival of Speed 2015:
Mercedes-Benz 300 SLR Rennsportwagen (W 196 S)

Mit dem 300 SLR (W 196 S) gewinnt Mercedes-Benz 1955 die Sportwagen-Weltmeisterschaft. Das Fahrzeug ist im Prinzip ein mit zweisitziger Sportwagen-Karosserie versehener Formel-1-Rennwagen des Typs W 196 R. Der technische Hauptunterschied liegt im Motor: Der Rennsportwagen, der nicht an das Hubraumlimit des Formel-1-Reglements gebunden ist, wird von einer Dreiliter-Version des Reihenachtzylinders angetrieben und verfügt über Zylinderblöcke, die nicht aus Stahl, sondern aus Leichtmetall gefertigt sind. Außerdem wird der 300 SLR nicht mit speziellem Rennkraftstoff auf Methanolbasis, sondern mit regulärem Superbenzin betrieben. Die Leistung von 222 kW (302 PS) sowie seine Standfestigkeit und Zuverlässigkeit machen den 300 SLR seinen Konkurrenten im Jahr 1955 weit überlegen, was er durch Doppelsiege bei der Mille Miglia, beim Eifelrennen, beim Großen Preis von Schweden und bei der Targa Florio (Sizilien) unter Beweis stellt. Bei der Mille Miglia 1955 gewinnen Stirling Moss und Beifahrer Denis Jenkinson (Startnummer 722) mit der bis heute unübertroffenen Durchschnittsgeschwindigkeit von 157,65 km/h. Die Bilanz dieses Rennsportwagens ist bis einzigartig: Jedes Rennen, zu dem ein Mercedes-Benz 300 SLR antritt und das er beendet, gewinnt der W 196 S.

Technische Daten Mercedes-Benz Rennsportwagen 300 SLR (W 196 S)
Einsatz: 1955
Zylinder: 8/Reihe
Hubraum: 2.982 Kubikzentimeter
Leistung: 222 kW (302 PS)
Höchstgeschwindigkeit: über 300 km/h

Mercedes-Benz 300 SLR Coupé („Uhlenhaut-Coupé“, W 196 S)
Eigentlich plant Mercedes-Benz für die Rennsaison 1955, den 300 SLR Rennsportwagen grundsätzlich als Coupé zu bauen. Doch die Fahrer entscheiden sich vor allem wegen der erwarteten Lärmentwicklung im Cockpit für einen Roadster. Dennoch entstehen 1955 unter der Leitung von Rudolf Uhlenhaut zwei Coupés, die in ihrem Design eng an die Sportwagen des Typs 300 SL angelehnt sind. Der für die Saison 1956 vorgesehene Einsatz bei Langstreckenrennen, angefangen bei der für November 1955 angesetzten Carrera Panamericana, lässt ein geschlossenes Fahrzeug komfortabler und damit geeigneter erscheinen. Doch das Langstreckenrennen in Mittelamerika wird von der mexikanischen Regierung nicht genehmigt und 1955 nicht mehr ausgetragen. So kommen die Coupés nur bei Trainingsfahrten zum Einsatz – unter anderem in Schweden, Nordirland und Sizilien. Später wird eines der beiden Coupés als Test- und Reisewagen für Rudolf Uhlenhaut mit einer Straßenzulassung versehen. Als „Uhlenhaut-Coupé“ wird dieses bis zu 290 km/h schnelle Fahrzeug zum absoluten Traumwagen der 1950er-Jahre. Damit ist es ebenso berühmt wie die auf den Rennstrecken eingesetzten zweisitzigen 300 SLR.

Technische Daten Mercedes-Benz 300 SLR Coupé (W 196 S)
Einsatz: 1955
Zylinder: 8/Reihe
Hubraum: 2.982 Kubikzentimeter
Leistung: 228 kW (310 PS)
Höchstgeschwindigkeit: über 300 km/h

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