Peugeot-Museum in Sochaux präsentiert Typ 156 von 1923: Diesel-Meilenstein

26. März 2015

Serienmäßig war das 4,80 Meter lange Peugeot Spitzenmodell Typ 156 mit einem 18 kW/25 PS starken 6,0-Liter-Sechszylinder ausgestattet, bei dem innovative Rohrschieber die Funktion konventioneller Ein- und Auslassventile übernahmen. Diese neuartige Motorentechnik brachte Peugeot bereits 1925 auf das Siegerpodium des legendären Langstreckenrennens Targa Florio auf Sizilien. Ein solcher ventilloser Sechszylinder treibt auch den im Peugeot-Museum ausgestellten Typ 156 an. Als Torpedo setzte er auf eine damals besonders in der Luxusklasse beliebte und als besonders aerodynamisch erachtete Karosseriebauform, die überdies die ideale Basis für die Praxiserprobung der ersten Diesel-Motoren bei Peugeot bot. Mit sogenanntem Schwerölmotor wurde der Peugeot 156 deshalb zum Urahn aller heutigen Diesel-Pkw. Mercedes-Benz und Hanomag brachten Dieseltriebwerke erst Mitte der 1930er-Jahre in Serie auf die Straße.

Als auch die benziner noch mit niedrigsten Drehzahlen auskommen mussten, setzte Peugeot auch Dieseltriebwerk - Schwerölmotoren - im Personenwagenbau ein. Foto: Peugeot.

Als auch die Benziner noch mit niedrigsten Drehzahlen auskommen mussten, setzte Peugeot schon Dieseltriebwerke – Schwerölmotoren – im Personenwagenbau ein. Foto: Peugeot.


Die Société des Automobiles Peugeot dagegen testete schon 1921 auf ihrem Prüfstand einen von dem Ingenieurbüro Tartrais entwickelten sogenannten Schwerölmotor. Ein Jahr später wurde dieser Selbstzünder als Zweizylinder-Zweitakter mit Zündkerze und mit der Kraft von 13 kW/18 PS zur Fahrerprobung in einen Pkw eingebaut. Die perfekte Basis für dieses Leuchtturm-Projekt, das technische Machbarkeit demonstrieren sollte, bot der Peugeot 156.


Der im Jahr 1920 erstmals vorgestellte und in einer Auflage von 180 Einheiten gebaute Oberklasse-Typ beeindruckte durch einen riesigen Radstand von 3,67 Metern Länge. Entsprechend großzügig war das Raumangebot im Interieur des in den Karosserieformen Torpedo, Limousine, Cabriolet und Coupé-Landaulet lieferbaren Peugeot-Flaggschiffs. Für repräsentative Aufgaben schien der exklusive Peugeot mit ventillosem Sechszylinder geradezu prädestiniert, weshalb er sogar internationales Aufsehen erregte durch seine Aufgaben als Staatslimousine im präsidialen Fuhrpark der französischen Republik. Zuvor leistete der Peugeot 156 aber zwei Mal Pionierarbeit. Zunächst im Jahr 1921 als erste Limousine, die im bis dahin ausschließlich für die Nutzfahrzeugproduktion genutzten Werk Sochaux vom Band lief. Ein Jahr danach dann als erster Peugeot Pkw mit Dieselmotor.

Diesel-Pionier aus den 1920er-Jahren: Peugeot Typ 156, jetzt im Werksmuseum zu sehen. Foto: Peugeot.

Diesel-Pionier aus den 1920er-Jahren: Peugeot Typ 156, jetzt im Werksmuseum zu sehen. Foto: Peugeot.


Bereits die erste Langstrecken-Testfahrt mit Dieselaggregat sollte der Peugeot 156 unter härtesten Bedingungen auf einer traditionsreichen Trasse absolvieren, weshalb der Routenverlauf Paris – Bordeaux – Paris ausgewählt wurde. Dort brillierte der Typ 156 auch mit dem sparsamen und überaus zuverlässigen Zweizylinder-Zweitakt-Selbstzünder. Seine eindrucksvollen dynamischen Talente demonstrierte der Diesel durch die in jener Zeit bemerkenswerte Spitzengeschwindigkeit von 70 km/h. Von diesem Anfangserfolg beflügelt produzierte Peugeot in den Jahren 1925 und 1926 eine erste Serie von hundert Schwerölmotoren für Personenwagen.

Klassische Bauweise der 1920er-Jahre, innovative Technik unter der Haube: Peugeot Typ 156. Foto: Peugeot.

Klassische Bauweise der 1920er-Jahre, innovative Technik unter der Haube: Peugeot Typ 156. Foto: Peugeot.


Während die eigentliche Serienfertigung von Diesel-Fahrzeugen bei Peugeot dann doch mit Nutzfahrzeugen begann, debütierte 1936 ein schnell laufender 2,3 Liter-Vierzylinder-Viertakt-Selbstzünder, der für die avantgardistischen Peugeot 402 im Stromliniendesign vorgesehen war. Noch einmal wurde der Großserienstart verhindert, diesmal durch den Beginn des Zweiten Weltkriegs. So war es der Peugeot 403, der ab 1959 in Limousinen und auch im ersten Diesel-Kombi den Selbstzünder zum Bestseller machte. Zahllose Geschwindigkeitsweltrekorde erzielte 1965 der Peugeot 404 Diesel Record, zwei Jahre später ging mit dem kompakten 204 Break das bis dahin kleinste Diesel-Fahrzeug in Serie. So war es nur konsequent, dass der 1983 lancierte Peugeot 205 als weltweit erster Diesel-Kleinwagen eine Millionenauflage erreichte.


In der Oberklasse war es der Peugeot 604 TD, der schon 1979 den Turbodiesel als ebenso standesgemäße wie effiziente Antriebsquelle etablierte. Die Premiere des weltweit ersten serienmäßigen und wartungsfreien Rußpartikelfiltersystems FAP (Filtre à Particules) erfolgte 1999 im Peugeot 607. Allerdings sollte es nicht lange dauern bis Peugeot sämtliche Diesel mit der FAP-Technik ausstattete und damit einmal mehr eine Trendsetterrolle übernahm. Als nächsten Revolutionär präsentierte Peugeot 2011 den 3008 HYbrid4, der als weltweit erster in Großserie gefertigter Full-Hybrid-Diesel ein sparsames Dieselaggregat mit einem emissionsfreien Elektromotor kombinierte.

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