Buchbesprechung: „Mit der Karre kommste nicht weit…“

2. März 2015

Automophil? Nein, der gerade 80 Jahre junge Autor, Übersetzer und Herausgeber von mehr als 200 Büchern hat sich nicht vertippt. Natürlich sind die Erinnerungen automobillastig – und gerade deshalb für Automobilisten lesenswert. Es geht nicht um eine Auto-Biographie, weniger ums Fachliche, sondern mehr um die Erfahrungen mit verschiedenen Fahrzeugen, die Begegnungen mit interessanten Menschen und Zeitgeschichtliches seit den 1950er-Jahren.


So taucht in dem bei Delius Klasing verlegten Werk auch Bunty wieder auf, dessen ausführliche Geschichte hier auf den Seiten von www.2000km.com vor ein paar Monaten besprochen wurde. Weder die Automobilleidenschaft noch das passende Vermögen dazu wurden Schrader in die Wiege gelegt, das wird in und zwischen den Zeilen deutlich. Doch Schrader darf als Nestor der deutschsprachigen Oldtimer-Szene gelten, als einer der ersten, der Preisbeobachtungen über alte Fahrzeuge anstellte und veröffentlichte, als Herausgeber des Oldtimermagazins „Automobil und Motorrad Chronik“, die nach 1984 in Motor Klassik aufging, und lange vor der ersten Ausgabe von Oldtimer Markt erschien.

Automophile Erinnerungen von Halwart Schrader - ein ganz und gar nicht trockenes Buch mit schönen Autogeschichten aus mehreren Jahrzehnten. Foto: Delius Klasing

Automophile Erinnerungen von Halwart Schrader – ein ganz und gar nicht trockenes Buch mit schönen Autogeschichten aus mehreren Jahrzehnten. Foto: Delius Klasing


Neben den leicht lesbaren Geschichten über Fahrzeuge, Zeitgenossen und eine persönliche Auswahl überzeugt das Buch vor allem durch seinen Unterhaltungswert, der auch für an diesem Thema wenig interessierte Menschen ein wahrer Quell der Freude sein dürfte. Schrader erlaubt sich, kleine Ausschweifungen aufs Papier zu bringen, doch er behält das Lenkrad seiner Erzählungen stets fest in den Händen.


Den ersten Teil des Buchs widmet der Autor seinen Autos und den damit verbundenen Erinnerungen. Mit einem Borgward FW 200 von 1938 geht es los, 1954 für 250 Mark inseriert und vom damals noch führerscheinlosen Erzähler erworben. Über Opel P4-Modelle und Fiat 500 Topolinos kommt er zu einem Lagonda 3-Litre, er fährt Talbot 14/45 HP von 1929 und verpasst einen Maybach Zeppelin für kleines Geld. Seine frankophile Ader lässt ihn mit Gangster-Citroens glücklich sein. Triumph Roadster und Rover P5 dokumentieren aber, dass auch Anglophiles in den Adern des fleißigen Schreibers und Werbefachmanns steckt, der in München die erste deutsche Spezialbuchhandlung für Autobücher führte.

Teil 2 beschreibt Situationen vom Mitnehmen und Mitgenommen werden – sehr liebenswert und menschlich. Teil 3 ist überschrieben mit „Etwas autoverrückt sind wir doch alle“. Es folgen Geschichten über ein paar markante Typen aus Amerika, England (hier kommt unter anderem Bunty ins Spiel), Schweiz, Schweden, Irland und mehr. Abschließend dürfen die Leser einen Blick in Schraders virtuelle Privatgarage werfen, und sogar auf ein zweites virtuelles Garagendutzend geht der Blick. Verschmerzbar ist das Ende des Buchs nur deshalb, weil Halwart Schrader so ein fleißiger Autor war und ist – an gutem, sorgfältig formuliertem und angenehm lesbarem Stoff aus seiner Feder herrscht ja kein Mangel…


Halwart Schrader, Mit der Karre kommste nicht weit…, Automophile Erinnerungen, Delius Klasing, Bielefeld 2015, 240 Seiten, 126 s/w Fotos, 22,90 Euro, ISBN 978-3-667-10130-3

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