Gut vorbereitet in die Winterpause

13. November 2014

Obwohl viele Cabrios inzwischen durchaus wintertauglich geworden sind, fahren sie die meisten Besitzer nur in der warmen Jahreszeit. Oldtimern wollen ihre Fans die widrigen Witterungsverhältnisse und das Streusalz ersparen. Doch die Sommerschätzchen sollten nicht einfach nur abgestellt werden. „Ein paar Voraussetzungen und einfache Handgriffe stellen sicher, dass das Auto im kommenden Jahr wieder Freude macht“, sagt Eberhard Lang, Experte bei TÜV SÜD.


Platz nehmen: Am besten steht das Sommerauto in einer trockenen und gut belüfteten Garage. Muss es unter freiem Himmel überwintern, sollte zumindest eine feste, durchgehende Standfläche vorhanden sein. Plätze mit durchbrochenen Formsteinen sind Gift für die Reifen! Sie können die Aufstandsflächen dauerhaft verformen und Gras oder Pflanzenreste schaden beim langen Stehen dem Gummi.
Anmerkungen von 2000km: Speziell geformte Reifenschoner sind eine zusätzliche Option. Es gibt sie u.a. hier: http://www.vintagedriver.de/fuers-auto/garage/105/reifenschoner-gegen-standplatten.
Steht das Auto wirklich draußen? Eine Abdeckplane, die einen Blick auf die Zulassung erlaubt, sollte nicht fehlen. In der Garage schützt eine Autopaletot vorm Einstauben.

Mit etwas Vorbereitung überstehen Liebhaberfahrzeuge die kalten, nassen Monate ganz gut. Bild: TÜV SÜD

Mit etwas Vorbereitung überstehen Liebhaberfahrzeuge die kalten, nassen Monate ganz gut. Bild: TÜV SÜD


Wasser marsch: Eine gründliche Wäsche beugt Rost und Startproblemen im Frühjahr vor. Dabei die Reinigung des Unterbodens und eine Motorwäsche nicht vergessen! Vorsicht ist aber bei der Hochdruckwäsche nötig. Nicht näher als 50 Zentimeter an Teile wie Lichtmaschinen und andere elektrische Komponenten herangehen! Dies gilt auch für Reifen. „Wasser unter hohem Druck kann bleibende, aber zunächst nicht sichtbare Schäden anrichten“, weiß Lang.


Öl wechseln: Frischer Schmierstoff schützt den Motor. „Im Laufe des Betriebs bilden sich Säuren und andere aggressive Stoffe im Öl, die Metallteile und Dichtungen angreifen“, erklärt Eberhard Lang. Neues Öl ist noch weitgehend frei davon. Auf die richtige Sorte achten! Viele neuere Autos brauchen spezielle, synthetische Sorten, während echte Oldtimer damit gar nicht gut zurechtkommen. Die geeigneten Schmierstoffe stehen in der Betriebsanleitung, sind in Werkstätten oder über die Webseiten der Ölhersteller herauszufinden. Die Kontrolle der Ölstände in Getriebe, Differential und Servolenkung stellt sicher, dass alle Zahnräder und Lager auch während des Stillstands optimal versorgt sind.
Anmerkung 2000km: Ölwechsel bei alten Autos sind erheblich überbewertet. Auf nur wenigen tausend Kilometern Fahrt dürften sich nicht allzu viele „aggressive Stoffe“ gebildet haben. Die Kosten kann man sich also in vielen Fällen sparen und die Umwelt schonen. Und wenn doch: Aktuell verkaufte Öle weisen eine so hohe Spezifikation (z.B. API SF) auf, wie sie es zur Bauzeit eines Oldies nicht gab. Also reicht das allerbilligste, etwa fünf Liter für 13,95 Euro.

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Für Luft sorgen: Feuchtigkeit erzeugt Korrosion und schlechte Gerüche. Schmutz ist ein idealer Nährboden für beides. Die Reinigung des Innenraums beugt dem vor. Eine gute Belüftung des Innenraums sorgt dann für gesunde Verhältnisse. Dazu einfach die Seitenscheiben ein paar Zentimeter öffnen. Pollenfilter sollten im Winter möglichst ausgebaut werden. In ihnen bildet sich gern Schimmel. Moderne Kombifilter mit Aktivkohle ziehen Wasser an und sind damit dann im Frühjahr unbrauchbar.
Anmerkung von 2000km: Vielleicht noch einen Luftentfeuchter in den Fußraum stellen, etwa ein Plastikbehälter mit einem Säckchen hygroskopischem Mittel. Oder ganz schlicht: eine Schale mit Salz.

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Voll laden: Nur bei echten Oldtimern sollte die Batterie abgeklemmt werden. Neuere Autos mit viel Elektronik bleiben am besten am Netz. Das geschieht am besten mit einem modernen, elektronisch geregelten Ladegerät. Es prüft den Ladezustand automatisch und sorgt ohne jedes Zutun für eine stets optimal geladene Batterie. Tut der Autobesitzer an dieser Stelle gar nichts, kann das teure Folgen haben: „Eine leere Batterie friert bei Minustemperaturen ein. Schlimmstenfalls läuft dann bei Tauwetter Schwefelsäure aus“, warnt Lang. Der Energieverbrauch dieser Dauerlader sei im Gegensatz zu älteren Geräten sehr gering. Wer keinen Netzanschluss für eine Dauerladung in der Nähe des Standplatzes hat, sollte den Stromspeicher wenigstens monatlich nachladen.


Druck geben: Den Reifen tut ein leicht erhöhter Luftdruck gut. Über den Winter geht ohnehin etwas verloren, so dass rund 0,5 bar mehr eine gute Wahl ist. „Aber auch nicht mehr auffüllen“, meint der Experte von TÜV SÜD.
Anmerkung von 2000km: 0,5 bar mehr? Mehr als was? Am besten gehen Oldtimerbesitzer vom Maximalfülldruck aus und packen das halbe Bar noch obendrauf. Nach der Winterpause darf die richtige Einstellung aber nicht vergessen werden.

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Verdeck pflegen: Ein Cabrioverdeck braucht jetzt besonders viel Aufmerksamkeit. Die Autohersteller verkaufen spezielle Reiniger und Konservierungsmittel. Moderne Synthetik-Dichtungen brauchen aber keine besonderen Pflegemittel mehr. Die Reinigung mit Seifenwasser genügt. Bei Oldtimern mit Gummileisten hilft gewöhnliches Talkum. Ein Stoffverdeck selbst steht in der Garage am besten in einer leicht entspannten Position, also einen Spalt geöffnet. Keinesfalls darf es aber über längere Zeit ganz offen sein. Dies kann nämlich bleibende Falten und mürbe Stellen erzeugen. Bei den sogenannten Retractable Hardtops sind keine besonderen Maßnahmen nötig.

Eine Reaktion

  1. Chr.Frauenberger Dezember 12th, 2014 at 10:58

    Prima Tipps.

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