40 Jahre Opel Safety Vehicle: Der sichere Weg vom Kadett C zum Astra J

27. September 2014

„Erst gurten, dann starten“ – lautet der Slogan, mit dem 1974 unwillige deutsche Autofahrer zum Anschnallen bewegt werden sollen. Die Anschnallpflicht kommt zwei Jahre später, Bußgeld droht seit 1984. Opel rüstet bereits seit 1973 alle Modelle serienmäßig mit Gurten aus und gibt im Folgejahr einen visionären Ausblick auf die Sicherheitstechnik der Zukunft. Das Opel Safety Vehicle, eine seriennahe Studie auf Basis des Kadett C, übersteht einen Frontalaufprall mit 40 Meilen pro Stunde (knapp 65 km/h) und stellt wichtige Weichen für die weitere Entwicklung von Sicherheitsfeatures. Die Aufprallgeschwindigkeit in Meilen gab dem Kadett dann auch seinen Namen: OSV 40. Wohin die Reise fortan ging, demonstriert der aktuelle Opel Astra. Mit seinem vorbildlichen Insassenschutz und den hochmodernen Assistenzsystemen erntet der Kompaktwagen die Früchte einer 40-jährigen Entwicklung.

Opel Kadett C umgerüstet auf OSV 40: unter anderem mit Polyurethan-gefüllten Stoßfängern. Foto: Opel.

Opel Kadett C umgerüstet auf OSV 40: unter anderem mit Polyurethan-gefüllten Stoßfängern. Foto: Opel.


Vor genau 40 Jahren zeigten die Rüsselsheimer in London auf der zweiten ESV-Konferenz (International Technical Conference on the Enhanced Safety of Vehicles) ihre Vorstellung von einem sicheren Kompaktwagen. Auf Basis des im Jahr zuvor präsentierten Kadett C durften sich die Ingenieure zum Thema Sicherheit mal so richtig austoben. Dabei war der von den Technikern selbst gewählte Name Programm: OSV steht für Opel Safety Vehicle und die Zahl 40 für die Frontalaufprall-Geschwindigkeit in Meilen pro Stunde, auf die der OSV 40 ausgelegt ist. Trotz der erweiterten Sicherheitsausstattung sollte das Fahrzeuggewicht unter der 1.000-Kilogramm-Marke bleiben.


Vor allem die voluminösen Stoßfänger fallen dem Betrachter im Vergleich zu den zeitgenössischen Blechstoßstangen sofort ins Auge. Ihre absorbierenden Eigenschaften erhalten die OSV-40-Stoßfänger durch die Füllung mit Polyurethan-Schaum. An der Front kommen schaumgefüllte Längsträger zum Einsatz, die bei Aufprallgeschwindigkeiten von mehr als acht Kilometer pro Stunde kontrolliert brechen. Bei frontalen Zusammenstößen unterhalb dieses Tempos fängt die Schaumstruktur so viel Energie ab, dass es zu keiner bleibenden Deformation kommt – damit war der Vorläufer der „selbstreparierenden“ Stoßfänger geschaffen. Für höhere Sicherheitsreserven beim Seitenaufprall füllten die Ingenieure ebenso die Hohlräume der Schweller und Türen mit PU-Schaum aus.

OSV 40: Kadett C mit deutlich erweiterten Sicherheitsmerkmalen. Foto: Opel.

OSV 40: Kadett C mit deutlich erweiterten Sicherheitsmerkmalen. Foto: Opel.


Verstärkte Dachholme und über eine Gurtkonstruktion im Dach verankerte Rückenlehnen der Vordersitze erhöhen die Stabilität der Fahrgastzelle immens – die Verstellbarkeit der Sitze ist dadurch nicht beeinträchtigt. Außerdem wurde die Windschutzscheibe aus Verbundglas direkt mit der Karosserie verklebt – ebenfalls mit dem Ziel, die Karosseriesteifigkeit zu erhöhen.
Im Innenraum sind alle Oberflächen, mit denen die Insassen bei einem Unfall in Berührung kommen könnten, mithilfe von zwei Zentimeter dickem Polyurethan-Schaum aufgepolstert. Die Lenkung erhielt ein zusätzliches Knickelement im unteren Lenksäulenbereich.


Auch im OSV 40-Cockpit steht die Sicherheit an erster Stelle. Das zentrale Warnsystem von Hella kontrolliert elf Funktionen und zeigt eventuelle Fehler durch das Aufleuchten der Warnlampen an. Vier zusätzliche Leuchten hinter der Heckscheibe signalisieren Notbremsungen und dienen als Warnblinkleuchten. Ihre hohe Positionierung macht sie für die nachfolgenden Verkehrsteilnehmer besser sichtbar. Für optimale Sicht sorgt auch der zweigeteilte Rückspiegel, dessen unterer Teil den toten Winkel auf ein Minimum reduziert.

Kopfstützen mit Anbindung zum Dach, verstärkte Strukturen. Foto: Opel.

Kopfstützen mit Anbindung zum Dach, verstärkte Strukturen. Foto: Opel.


Die Vordersitze wurden so verbreitert, dass sie eine durchgehende Abgrenzung zum Fond bilden. Die seitlichen Abstützungen, vor allem auch im Schulterbereich, verhindern bei einem Seitenaufprall das Zusammenstoßen von Fahrer und Beifahrer. Die minimalistisch ausgeführten Kopfstützen der Vordersitze gewährleisten dem Fahrer eine möglichst gute Sicht nach hinten. Für Übersicht und Sicherheit sorgt auch das aus Gurten konstruierte Rückhaltsystem für die Köpfe der Fondpassagiere. Auf allen vier Sitzplätzen ist der OSV 40 mit Dreipunktgurten ausgestattet – vorne kommen sogar schon automatische Gurtstraffer zum Einsatz.


Bei den Crashtests erfüllte der OSV 40 alle Zielvorgaben: Nach dem frontalen Aufprall mit Tempo 65 gegen eine feststehende Barriere ließen sich noch alle vier Türen ohne Zuhilfenahme von Werkzeugen öffnen. Der Vorderwagen nahm bei dieser Crashtest-Disziplin die Energie so gut auf, dass er sich durch die Kaltverformung um exakt einen halben Meter verkürzte. Beim frontalen 50 km/h-Crash gegen einen Mast konnte der OSV 40 ebenso überzeugen wie beim Heckaufprall, dem seitlichen Einschlag in einen Pfahl und dem Überschlagstest bei Tempo 48.


Wie dynamisch sich die damals begonnene Entwicklung fortgesetzt hat, zeigt der aktuelle Vertreter der Opel-Kompaktklasse: Zusätzlich zu der heute selbstverständlichen Strukturfestigkeit bietet der Opel Astra umfangreiche passive Sicherheitsmerkmale und eine breite Palette hochmoderner Fahrerassistenzsysteme, die sowohl die Sicherheit als auch den Komfort für Fahrer und Passagiere entscheidend erhöhen.

 

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