Ford Mustang: seit 1964 auf Trab

14. August 2014

50 Jahre Ford Mustang gilt es hier noch ein wenig zu feiern. Der „First Mustang Club of Germany 1964 – 73 e.V.“ hat bereits vor Wochen in Köln  beim größten Mustang-Treffen aller Zeiten auf dem europäischen Kontinent gefeiert. Immerhin war die Herde rund 750 Fahrzeuge groß.


Henry Ford, geboren 1863, erlangte Weltruhm mit seinem Modell T, dem Bestseller bis der Käfer ihn viele Jahre später übertraf. Doch schon seit 1896 experimentierte Ford, das erste Modell erschien 1903. Ford wurde durch die hohe Nachfrage zur 1913 eingeführten Fließbandproduktion gezwungen, die technische Innovation fand zahlreiche Nachahmer. Der T-Nachfolger A blieb konstruktiv auf der Linie. Mit Ablegern in Argentinien, Australien, Brasilien, Deutschland, England, Indien, Neuseeland, Thailand und auch Frankreich wurde die ganze Welt bedient.

Lange Haube, aber manchmal nicht viel drunter: Das Fahrwerk der Mustang blieb sehr schlicht.

Lange Haube, aber manchmal nicht viel drunter: Das Fahrwerk der Mustang blieb sehr schlicht.

Ford Mustang, 1964-73
Jeder der großen Autokonzerne Amerikas landete gelegentlich einen unerwarteten Volltreffer. Ford schaffte es mit dem 1964 eingeführten Mustang. Er wandte sich besonders an eine jugendliche Käuferschaft und zeigte optisch – denn darum ging es ja hauptsächlich – attraktive Linien. Als relativ kompakter 2+2-Sitzer konzipiert, betonte er in klassischer Sportwagenmanier seine ellenlange Motorhaube, unter der von zahmen Sechszylindern bis hin zu heißen Siebenliter-V-Achtzylindermotoren alles möglich war. Dass die Fahrwerkstechnik nach wie vor stiefmütterlich behandelt wurde, braucht nicht besonders hervorgehoben zu werden, aber es änderte sich bis zum Ende der Bauzeit auch nichts daran. Für den american way of drive langte es auch so.

Ein schöner Rücken: Mustang Fastback.

Ein schöner Rücken: Mustang Fastback.

Die Mustangs der ersten Serie trabten mit Motoren zwischen 2,8 Litern Hubraum und sieben Litern an. 101 PS reichten dem schwächsten Modell für Vortrieb bis 150 km/h, doch es durften auch 390 PS sein, die dann für 215 km/h langten. Nach zehn Jahren endete die Bauzeit der Coupés und Cabriolets 1973.

Sitze ohne Seitenhalt, Automatikgetriebe, american way of drive, aber wahrlich kein Sportwagen.

Sitze ohne Seitenhalt, Automatikgetriebe, american way of drive, aber wahrlich kein Sportwagen.

Ford Mustang II (T5)
Die Fans der alten Pony-Car-Herrlichkeit trauten ihren Augen nicht, als Ford 1973 den völlig überarbeiteten Mustang II präsentierte. Zwar hatten sie schon lange Jahre der Degeneration der alten Baureihe zuschauen müssen, aber das neue Modell war dennoch ein Schock: leistungsschwach, unattraktive Formen, abgeleitet von einem Kleinwagen – das schien das Ende der Mustang-Geschichte zu sein. In Dearborn hatte man sich freilich nach den Gegebenheiten des Marktes zu richten, und die hießen seinerzeit Ölkrise, Verbrauchsreduzierung, Gewichtsersparnis. Also gab es vorerst nur schwachbrüstige Vier- und Sechszylindermotoren (letztere aus Kölner Produktion) mit maximal 106 PS. Dafür konnte zwischen zwei gleichermaßen pummelig wirkenden Karosserievarianten gewählt werden: Stufenheck oder Fließheck mit Klappe. Erst später wurde auch der 4,9 Liter-V8 mit 139 PS neben sportlichen Ausstattungsvarianten wieder ins Lieferprogramm aufgenommen. Insgesamt entstanden rund 1,1 Millionen Mustang II.


Ford Mustang III
Erst 1979 zog Ford die Konsequenzen aus dem nicht sonderlich gelungenen Mustang II und präsentierte einen formal eigenständigen und weit gelungeneren Nachfolger. Verschwunden waren die barocken Rundungen des Vorgängers, gerade, klare Linien prägten die Erscheinung. Die beiden Karosserievarianten mit Stufen- und Fließheck wurden beibehalten, ebenso die Motorenauswahl. Wahlweise gab es Vier-, Sechs- und Achtzylindertriebwerke. Neu war ein 2,3 Liter-Vierzylinder mit Turbolader, der es auf immerhin 130 PS brachte sowie ein langsam laufender Sechszylinder mit 3,3 Litern Hubraum, der bei 3600/min auf eine Maximalleistung von nur 88 PS kam. Der neue Mustang gewann viele Freunde, mehr jedenfalls als der Vorgänger. 1993 endete die Bauzeit nach etwa 2,5 Millionen gebauten Fahrzeugen.

Der Mustang GT 500 ist ein interessantes Muscle-Car. Beim Mustang V gab es dann auch kraftvolle "Shelby"-Versionen.

Der Mustang GT 500 ist ein interessantes Muscle-Car. Beim Mustang V gab es dann auch kraftvolle „Shelby“-Versionen.

Mustang IV
Zwischen 1994 und 2004 baute Ford auf der Uralt-Plattform „Fox“ – von 1977- die nächste Generation Mustangs. Mit 3,8 bis 5,7 Litern Hubraum erreichten die Wagen 107 bis 290 Kw Leistung, waren also bis zu 395 PS stark. Als Karosserievarianten gab es wieder das Coupé und das Cabriolet. Wie bei den Vorgängern erfährt der Mustang IV praktisch jährlich gewisse Veränderungen, um für den amerikanischen Käufergeschmack stets aktuell zu sein.


Mustang V
Die nächste Generation des Ponycars wurde Anfang 2004 präsentiert und zeichnete sich durch ein gelungenes Design mit Retro-Anklängen aus, bei dem die erste Generation erfolgreich Pate stand. Coupé und Cabriolet kamen über Importeure auch nach Europa. Die Motoren mit 4,0 bis 5,4 Litern Hubraum waren zwischen 157 und 368 kW stark. Insgesamt hat Ford bis dahin von allen Mustang-Generationen mehr als neun Millionen Einheiten verkauft!

Genf, im März 2014: Der Mustang VI hat seine Europapremiere

Genf, im März 2014: Der Mustang VI hat seine Europapremiere

Mustang VI
In diesem Jahr stellte Ford die nächste Mustang-Generation vor. Auch hier wird es wieder eine offene Version sowie die Coupé-Ausführung geben. Der 2,3 Liter Ecoboost-Motor hat zwar nur vier Zylinder, leistet aber 309 PS. Der Fünfliter-V8 kommt auf 426 PS. Erstmals zeigt das Fahrwerk Einzelradaufhängung rundum, und auch der offizielle Verkauf über europäische Ford-Händler ist vorgesehen.

4 Reaktionen

  1. Tom Dezember 9th, 2014 at 15:51

    Schöne Zusammenfassung über die Geschichte des Mustangs. Ich finde die neuen Modelle ab dem Mustang V eigentlich sehr gelungen, obwohl ich ja die früheren Modelle bevorzuge, besonders den Mustang 3, weil die Formen und das Design einfach super sind. Im Endeffekt ist es natürlich Geschmackssache und Ford muss ja auch mit der Zeit gehen und seine Modelle den neuen Gegebenheiten anpassen. Vielleicht besitze ich ja irgendwann einmal einen Mustang 3, aber zunächst werde ich mich wohl beim nächsten Auto eher für einen Hybrid oder Elektrowagen entscheiden.

  2. Lars Doehmann Dezember 9th, 2014 at 17:40

    Danke fürs Kompliment und richtig – ist Geschmacksache. Gespannt bin ich, ob Ford vom neuen Mustang über die eigenen Händler mehr Fahrzeuge absetzen kann. Als Klassiker würde ich die frühen Jahrgänge am liebsten selbst fahren. Für mich auf dem Land wohnend ist ein E-Auto keine Alternative, aktuell gebe ich Gas, also LPG, und nutze notfalls E10-Sprit.

  3. Chr.Frauenberger Dezember 12th, 2014 at 10:37

    Oder den neuen Mustang niederreiten mit eingebauter burn out Schaltung „Stern“ 11.12.2014). Das Reifenmorden wird elektronisch auf 15 Sekunden begrenzt, was auch den Asphalt vor dem Schlimmsten bewahrt. Vielleicht auch ein Gag zu Sylvester, aber nicht ganz so
    spektakulär wie der Porsche 365 mit abgeschraubtem Auspuff vor dem Hoteleingang, dessen Flammen- und Donnerwerk sämtliche Chinaböller überflüssig machte.
    Gutes neues Jahr, aber mit Auspuff.

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  1. […] zu den historischen Mustangs hatte ich bereits im letzten August geschrieben: […]

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