Die wunderbare Fahrzeug-Sammlung der Familie Mahy

8. August 2014

Es klingt wie ein Märchen von 1001 historischem Fahrzeug. Und begann so ähnlich wie die Geschichte von Karl-Heinz Rehkopf, der seine Sammlung mit rund 1000 Motorrädern  in eine Stiftung einbrachte, die vor kurzem als Museum PS-Speicher in Einbeck für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Die Collection Mahy geht auf Ghislain Mahy aus Gent zurück, den 1907 geborenen Belgier, der bereits im zarten Alter von 17 Jahren ein Auto eigenhändig selbst schuf. Mit dem Erlös aus dem Verkauf erbaute er eine geschäftliche Basis, die erfolgreich erweitert wurde.

Aus der Frühzeit der motorisierten Mobilität finden Besucher im belgischen Leuze bei Mahymobiles viele Objekte in gutem Zustand.

Aus der Frühzeit der motorisierten Mobilität finden Besucher im belgischen Leuze bei Mahymobiles viele Objekte in gutem Zustand.

Im Jahr 1944 erwarb Mahy eine F.N, Typ Cyclomoteur, sowie das Wrack eines Ford T-Modells für 150 belgische Francs. Der klassische Ford wurde liebevoll restauriert. Bereits 1948 kamen ein Benz von 1915 dazu sowie ein Fiat von 1921. Damit war der Anfang für eine Sammlung gemacht. Es folgten viele weitere Erwerbungen, etwa ein Wanderer von 1915, ein Fondu von 1906, ein Rolls-Royce von 1920 mit nur 6 000 Kilometern auf dem Tacho.

Blick von der Empore in der "ersten" Halle: belgische Fahrzeuge, dann...

Blick von der Empore in der „ersten“ Halle: belgische Fahrzeuge, dann…

Es sprach sich herum, dass Mahy alte Autos sammelte. Er bekam aus allen möglichen Ecken solche Fahrzeuge angeboten und vergrößerte die Sammlung kontinuierlich weiter. Sein Sohn Ivan war frühzeitig mit dabei und lernte die Sammelleidenschaft von der Pike auf. Andererseits waren die Rohstoffe im Zeichen der Koreakrise auch bei anderen Figuren der Zeit geschätzt, so dass sich Mahy gelegentlich engagieren musste, um wertvolles mobiles Kulturgut vor der Verschrottung zu bewahren. Auch dieses Engagement sprach sich herum – und sorgte für steigende Preise bei den alten Fahrzeugen.

..vorne und Mitte Amerikaner, und der Schwenk geht weiter...

…vorne und Mitte Amerikaner, und der Schwenk geht weiter…

Bei einem ausführlichen Besuch im aktuellen Museumsstandort in Leuze-en Hainaut, etwa 60 Kilometer südwestlich von Brüssel, plauderte Ivan Mahy auch aus dem Schatzkästchen der Erinnerungen. Etwa, wie er mit seinem Vater in Südfrankreich unterwegs war, um mit dem Autotransporter die eine oder andere aufgestöberte Rarität zu bergen, zu retten und der Sammlung einzuverleiben.

...mit Blick auf weitere US-Fahrzeuge und Franzosen.

…mit Blick auf weitere US-Fahrzeuge und Franzosen. Hinten rechts einige deutsche Fahrzeuge.

„War erst einmal ein Scheunenfund gemacht“, erzählt der heute 77-jährige Ivan Mahy, „meldeten sich oft Nachbarn oder Beobachter beim Verladen, dass sie von weiteren alten Autos wüssten.“ Solchen Hinweisen gingen die Mahys gerne nach. Manch einer war froh, für das rostige Zeug sogar noch etwas Geld zu bekommen.

Noch mehr US-Boliden auf dem Rundgang.

Noch mehr US-Boliden auf dem Rundgang.

Irgendwann bekamen die Mahys das typische Problem aller hartnäckigen Sammler, und das ist nicht der Rost, sondern der Platz. Das Problem begann schon 1960, aber erst im Mai 1969 wurde der Grundstein gelegt für ein Museumsgebäude in der Gemeinde Houthalen. Dort sollte die Sammlung einige Jahre ihren Platz finden. Bis etwa 1985 waren das immerhin 750 Fahrzeuge und damit bereits die vielleicht nicht größte, zumindest aber zweitgrößte Kollektion dieser Art weltweit und auf jeden Fall die vielseitigste!

An vielen Stellen möchte der Besucher noch genauer hinsehen und mehr entdecken.

An vielen Stellen möchte der Besucher noch genauer hinsehen, um mehr entdecken zu können.

Die Zustände der Mobile variieren zwischen Original mit wenig Kilometern bis Teileträger. Viele Fahrzeuge sind in der Vergangenheit restauriert worden, nicht zuletzt dank vieler Helfer, die mit fleißigen Händen bereitwillig angepackt haben.

Auf dem weiteren Rundgang hat der Besucher einen guten Blick aus erhöhter Position.

Auf dem weiteren Rundgang hat der Besucher einen guten Blick aus erhöhter Position.

Irgendwann ging es auch in Houthalen nicht mehr weiter. So zog ein Teil der Sammlung, etwa 400 Fahrzeuge, nach Brüssel in die Autoworld (siehe auch: http://www.autoworld.be/the-museum/our-collections/). Der Rest ging nach Leuze-en-Hainaut zwischen Ath und Tournai. Auf dem Weg nach Paris etwa, ist das nur ein kleiner Abstecher abseits der ausgetretenen Autobahnpfade. Le Musée de l´auto, collection Mahy ist das Ziel.

Besucher können sich nicht satt sehen, eher hungrig. Ist das geil!

Besucher können sich nicht satt sehen, eher hungrig. Ist das geil!

Die Sammlung ist nach Herstellernationen sortiert, zumindest in der einen Haupthalle. Hier steht der Ford T ebenso wie der F.N. Cyclomoteur. Amerikaner, Franzosen, Deutsche, Japaner, Holländer und mehr , bekannte und auch für Eingeweihte unbekannte Marken, nicht alle mit erklärenden Beschriftungen versehen, aber doch so eindrücklich, dass die Zeit wie im Fluge vergeht, wenn man sich etwas näher mit den Exponaten beschäftigt. Die Fahrzeuge stehen auf einer Ebene mit dem Betrachter.

Hinter der nächsten Ecke warten weitere Sensationen.

Hinter der nächsten Ecke warten weitere Sensationen.

In den weiteren Räumlichkeiten laufen die Besucher über einen balustradengleichen Rundweg und können oft von oben auf eine große Zahl unterschiedlichster Fahrzeuge blicken. Sie stammen aus unterschiedlichsten Nationen aus der ganzen Welt. Die erstaunliche Fülle in dem verwinkelt wirkenden alten Industriegebäude, einer alten Weberei, animiert den Besucher darüber nachzudenken, wie wann was in die Sammlung kam, warum es ausgerechnet an dieser Stelle zum vorläufigen Stillstand kam, wie es wohl hinter der nächsten Iegung oder der nicht einsehbaren Ecke weitergeht und so weiter.

Der Astopn Martin DB 2 hat zweifellose schon bessere Tage gesehen, als er noch Kühlermaske, Motor und Getriebe trug.

Der Aston Martin DB 2 hat zweifellose schon bessere Tage gesehen, als er noch Kühlermaske, Motor und Getriebe trug.


Die Fülle ist beeindruckend, doch wenn wir durchzählen, 400 Fahrzeuge in Brüssel und etwa noch mal so viel in Leuze zu sehen, dann fehlen noch ein paar. Die können derzeit nicht besichtigt werden. Die baulichen Einrichtungen erlauben das aktuell nicht. Es fehlen Fluchtwege, sagen die Behörden. Mahy, für sein Lebenswerk ausgezeichnet mit dem „Goldenen Kolben“ der Gruppe F-kubik,  kontert: „Viele, die kommen, würden lieber mit der Sammlung verbrennen, als vor einem Feuer zu fliehen.“

Auf der vier Meter über dem Boden schwebenden Plattform ist eine bunte Mischung edlen Altmetalls versammelt.

Auf der vier Meter über dem Boden schwebenden Plattform ist eine bunte Mischung edlen Altmetalls versammelt.

Hinter den Kulissen stehen also noch einmal viele einmalige Fahrzeuge, ob Mainstream, Exoten oder Einzelstücke, in gutem und baufälligen Zustand, mit interessanten Vorbesitzern und aus den Händen anonymer Verbraucher. Immer wieder werden bei Mahy auch weitere Fahrzeuge restauriert. So ist derzeit, aus welchen Gründen auch immer, nicht ein weiterer auf bessere Tage wartender Horc, Mercedes oder Rolls-Royce h in Arbeit, sondern ein Röhr mit Achtzylindermotor und horizontal gedämpfter Hinterachse. Über der Werkstatt ist ein Teilelager, in dem in vielen hohen Regalen zahlloseTeile und Schrauben auf ihren Wiedereinsatz warten.

Im HIntergrund sind zwei Citroen Kegresse inszeniert, doch auch vorne gibt es viel zu entdecken.

Im HIntergrund sind zwei Citroen Kegresse inszeniert, doch auch vorne gibt es viel zu entdecken.

Die einzigartige Sammlung von Mahy ist mehr als einen Abstecher auf dem Weg nach irgendwo wert. Sie ist eine Reise wert. Wie die Geschichte ausgeht, weiß aktuell niemand. Ivan Mahys Kinder kommen für eine direkte Nachfolge nicht infrage. Die Töchter sind verheiratet und haben Kinder, der Sohn führt einen Automobilhandel und hat damit reichlich zu tun. Doch Ivan wirkt mit seinen 77 Jahren noch erstaunlich jung und vital. Der Händedruck des nicht besonders groß gewachsenen Mannes ist kräftig, aber die Arbeit an der Collection würde ihn noch Jahrzehnte beschäftigen. Schließlich gibt es neben den Fahrzeugen auch noch eine ausufernde Sammlung an Automobilia und fachlicher Literatur.

Gelegentlich wünscht sich der Besucher im Besitz eines Fernglases oder reichweitenstarken Kameraobjektivs, um die Raritäten näher inspizieren zu können.

Gelegentlich wünscht sich der Besucher im Besitz eines Fernglases oder reichweitenstarken Kameraobjektivs zu sein, um die Raritäten näher inspizieren zu können.

Die detaillierte Geschichte der Sammlung Mahy, die Öffnungszeiten des Museums und die Eintrittspreise finden Interessierte unter http://web.mahymobiles.be/Mahymobiles/Mahy_Intro_DE.html

Eine Reaktion

  1. Chr.Frauenberger August 8th, 2014 at 15:59

    Wer so eine Sammlung hat braucht auch einen goldenen Kolben.

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