Peugeot Eclipse: 80 Jahre elektrisch versenkbare Metalldächer

3. August 2014

Heute sind es die vielseitigen Peugeot 207 CC und 308 CC, die faszinierenden Frischluftspaß zu geringen Kosten bieten und zu den populärsten Coupé-Cabriolets auf dem deutschen Markt zählen. Sogar konkurrenzlos in seiner Klasse ist der kleine Peugeot 207 CC mit elektrohydraulisch versenkbarem Coupédach, das auf Tastendruck platzsparend im Kofferraum verschwindet. Ein Prinzip, das bei Peugeot vor genau 80 Jahre in Serienproduktion ging.


Damals waren es ebenfalls gleich zwei Trendsetter, die das Cabriolet ganzjahrestauglich machten und mit klappbarem Metalldach in Serie gehen ließen. Mit den revolutionären Modellen 401 Eclipse und 601 Eclipse präsentierte Peugeot passgenau zum Jahrhundertsommer 1934 die weltweit ersten Sonnenkönige, die das ganze Jahr über Saison hatten.

Peugeot 402 Eclipse, einfach genial. Foto: Peugeot.

Peugeot 401 Eclipse, einfach genial. Foto: Peugeot.

Vorausgegangen war der Peugeot 301 Eclipse, der als Prototyp die komplexe Klappdachtechnik erfolgreich erprobte. Entwickelt worden war die geniale Idee, Coupés per Elektroantrieb in Cabriolets zu verwandeln, von Georges Paulin, einem Zahnarzt und leidenschaftlichem Designer. Paulin meldete 1932 sein Klappdach-Patent an, der kongeniale Karossier Marcel Pourtout entwickelte es dann zur Serienreife und der Peugeot-Vertragshändler Emile Darl’Mat übernahm anfangs den Vertrieb der Peugeot mit innovativem Crossover-Konzept aus Coupé und Cabriolet.

Peugeot 301 Eclipse. Foto: Peugeot.

Peugeot 301 Eclipse. Foto: Peugeot.


Ein elegantes Coupé für regengraue Tage oder ein luftiges Cabriolet für sonnige Sommerstunden: Was seit der Erfindung des Automobils eine Entweder-oder-Entscheidung bedingte, kombinierten die Peugeot Eclipse-Modelle 401 und 601 erstmals serienmäßig durch elektrisch faltbare Dachkonstruktionen. Davon kündete auch der Name Eclipse, symbolisierte er doch die Sonnenfinsternis bei geschlossenem Dach. Mit den spektakulären 401 und 601 Eclipse hatte Peugeot aber auch wieder zwei potentielle Gewinner der damals populären Concours d’Elégance im Portfolio, die beste Basis, um Oberklasse-Kunden von Konkurrenten abzuwerben. Vor allem der aerodynamisch gezeichnete 601 mit dem ersten französischen Sechszylinder seit der Weltwirtschaftskrise.

 
Hinzu kam die fortschrittliche Fahrwerkstechnik mit unabhängiger Vorderradaufhängung, die beide Eclipse-Modelle kennzeichnete. Trotz seiner repräsentativen Länge von fast fünf Metern und der umfangreichen Dachmechanik begnügte sich der 44 kW (60 PS) starke Peugeot 601 Eclipse mit einem Leergewicht von nur 1.436 Kilogramm. Eine frühe Form effizienten Leichtbaus kennzeichnete auch das 32 kW (44 PS) leistende Vierzylinder-Modell 401 Eclipse, das nur 100 Kilogramm mehr wog als ein klassisches 401 Cabrio. Entsprechend vorteilhaft waren die Fahrleistungen und auch die Verbrauchswerte der Vier- und Sechszylinder mit damals bescheidenen Werten von zehn bzw. zwölf Litern pro 100 Kilometer.

Peugeot 402 Eclipse von 1937. Foto: Peugeot.

Peugeot 402 Eclipse von 1937. Foto: Peugeot.

Allerdings spielten Unterhaltskosten für die Käufer der ersten Coupé-Cabriolets noch eine nachgeordnete Rolle. Tatsächlich waren es vor allem die Aufpreise von 30 bis 50 Prozent gegenüber konventionellen Cabriolets, die die Gesamtauflage der frühen Eclipse auf ein niedriges dreistelliges Niveau begrenzten. In den Zirkel der Traumwagenhersteller fand Peugeot aber Einlass, dazu trugen auch Coupé-Cabrios mit Sonderkarosserien bei. Etwa der legendäre 601 Eclipse des französischen Literaten und Regisseurs Marcel Pagnol. Mit zukunftsweisender Pontonform wurde dieser Stromlinien-Eclipse sogar Kinostar im Spielfilm „Le Schpountz“.

Kühlergrill des Peugeot 402 Eclipse. Foto: Peugeot

Kühlergrill des Peugeot 402 Eclipse. Foto: Peugeot


Die Stromlinie war es auch, die neuen Schwung in die Verkaufszahlen aller Eclipse in Serienform brachte. „Raketendesign aus Sochaux“ nannte die Presse das futuristische Design des aerodynamischen Peugeot 402 mit markanten Scheinwerfern, die hinter dem Kühlergrill verborgen waren. Die bis zu 5,30 Meter langen 402 Eclipse gab es ab 1936 gleich in einer Vielzahl an Ausführungen: mit manuell versenkbarem Hardtop, elektrisch versenkbarem Dach, zwei Radständen, einer oder zwei Sitzreihen und verschiedenen Vierzylinder-Motoren. Sogar ein Dieselmotor ging beim 402 in die Erprobung. Fast 600 Käufer bestellten das luxuriöse Allwetter-Cabrio.

 
Erschwinglich für alle Frischluftfans wurden Coupé-Cabriolets erst zur Jahrtausendwende. Als Vorreiter aller Kleinwagen mit Metallklappdach eroberte nun der Peugeot 206 CC die Herzen, dies auch als weltweit erster Sonnenstar mit serienmäßigem Rußpartikelfiltersystem FAP. Fast 370.000 Peugeot 206 CC liefen vom Band – Allzeit-Rekord bei den Coupé-Cabriolets. Damit nicht genug, denn 2003 ergänzt der Peugeot 307 CC das Portfolio. Aktuell ist es das kongeniale Duo aus Peugeot 207 CC und Peugeot 308 CC, das bezahlbaren Coupé-Cabriolet-Spaß bietet. Inzwischen besitzen die beiden Erfolgsmodelle so großen Kultstatus, dass limitierte Sondermodelle wie die neue Roland Garros Edition sogar bei Sammlern begehrt sind.

3 Reaktionen

  1. Chr.Frauenberger August 3rd, 2014 at 19:05

    Das macht einfach Spaß zu lesen, was der Doehmann scheibt. Immer voller Überraschungen und verblüffender Infos. Mein Klavierlehrer hatte auch Peugeot und mein nächster Nachbar macht die P-Filiale in Hannover, aber mit dem Versenken hat es bei mir mangels Metalldach noch nicht geklappt. Meine Schwägerin hat den Renault, das funktioniert wohl schon besser, zu den Nachbauern VW Eos und BMW kann ich nichts aus eigener Erfahrung sagen, aber was weg ist, bleibt auch weg. Die Amis hatte auch mal dieses Konstrukt, aus dem man einen Kleinwagen hätte bauen können.
    Also der Oldtimerpurist fährt außer Peugeot Stoffcabrio ! (Herrschende Meinung in der Oldiliteratur, Autobild pp)
    Mit hochsommerlichen Grüßen
    Chr. Frauenberger

  2. Lars Doehmann August 3rd, 2014 at 21:47

    Ich muss richtig stellen: Der Text über die Eclipse-Modelle von Peuegot hat der Hersteller in Deutschland geliefert. Der dortige Pressechef Ulrich Bethscheider ist jedoch ein ausgewiesener Klassiker-Freund mit Kompetenz. Wir hatten gemeinsame Tage in der Redaktion Motor Klassik. Und da ich immer noch einen Peugeot von 1971 hier hege, bringe ich gerne etwas über die Marke in die Öffentlichkeit.
    Lars Döhmann

  3. Chr.Frauenberger August 4th, 2014 at 18:44

    Den Beitrag finde ich trotzdem gut.
    Ich würde auch nur gute Sachen übernehmen.

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