Das retroreflektierende Verkehrsschild feiert 75-jähriges Jubiläum

24. Juli 2014

Es war ein amerikanischer Straßenmeister, der den Technologiekonzern 3M auf die Idee brachte, eine Fahrbahnmarkierung zu entwickeln, die auch bei Nacht gut zu sehen sei. Nach zwei Jahren Forschungszeit fanden 3M Ingenieure die Lösung: ein mit winzigen Glaskügelchen beschichteter Klebestreifen. Dieser hielt allerdings nicht dauerhaft auf dem Asphalt. Doch als reflektierende Folie für Verkehrsschilder funktionierte er ausgezeichnet. Am 1. September 1939 wurde schließlich in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota das erste retroreflektierende Verkehrsschild aufgestellt.

 
Die Folie, die 3M unter dem Markennamen Scotchlite vertrieb, wurde zunächst in den USA hergestellt. 1953 begann 3M dann in Deutschland mit einer eigenen Produktion. Bei dem zunächst weitgehend manuellen Herstellungsverfahren wurden die Glaskügelchen per Hand mit Hilfe eines Kännchens auf die mit Harz beschichtete Trägerfolie geschüttet. Um diese gleichmäßig zu fixieren, lief die Folie durch eine Walze und wurde dann zum Aushärten auf einem ehemals zum Obsttrocknen verwendeten Holzhürdenwagen gelagert.

Ohne Blitz fotografiertes Schild: Bei direktem Anstrahlen würde es heftig leuchten.

Ohne Blitz fotografiertes Schild: Bei direktem Anstrahlen würde es heftig leuchten.

Mit zunehmender Anzahl an Autofahrern stieg auch der Bedarf an Lösungen, die den Straßenverkehr sicherer machten. Bald wurden neben Verkehrszeichen auch KFZ-Kennzeichen sowie Orts- und Straßenschilder mit Scotchlite Reflexfolie ausgestattet. Durch Weiterentwicklungen des Ursprungsprodukts waren inzwischen auch retroreflektierende Fahrbahnmarkierungen im Sortiment. Anfang der 90er Jahre erhielt die Marke Scotchlite dann auch Einzug in die Freizeit- und Bekleidungsindustrie. Ob Sportschuhe und –bekleidung, Freizeitjacken und Schulranzen, oder Berufs- und Warnschutzkleidung – reflektierende Elemente erhöhen noch heute die Sichtbarkeit von Schulkindern, Radfahrern, Sportlern oder Feuerwehrmännern gleichermaßen.

 

Mit der Entwicklung der Mikroreplikation im Jahr 1989 kommt die Glaskugeltechnologie im Straßenverkehr immer seltener zum Einsatz. Stattdessen sorgt die neue 3M Diamond Grade Folie für erhöhte Sichtbarkeit. Die auf winzig kleinen Mikroprismen basierende Oberfläche maximiert die Rückstrahlkraft der Folie und ermöglicht so ein schnelles Erkennen der Verkehrszeichen auch auf große Distanz. Seit 2009 ist auch der Digitaldruck reflektierender Verkehrszeichen möglich. Dabei werden die Informationen und Farben von Verkehrszeichen in nur einem Arbeitsgang auf eine weiße, retroreflektierende Folie gedruckt.

 

2 Reaktionen

  1. Chr.Frauenberger Juli 24th, 2014 at 20:13

    Einfach toll, diese wirklich informativen und auch unterhaltsamen Artikel lieber Lars Döhmann. Vielen Dank dafür.
    Über das Einbecker PS-Museum berichtete sogar der NDR in Hallo Niedersachsen mit bewegten Bildern und Interview des Stifters.
    Auf Scotch einen solchen und auf Einbeck Urbock.

  2. Nils August 26th, 2014 at 13:59

    Die Geschichte ist wirklich sehr interessant, vor allem hätte ich nicht gedacht, dass es im Jahre 1877 schon die ersten Verkehrsschilder in Deutschland aufgestellt worden sind. Damals gab es kaum Motorisierung? Laut Wikipedia gab es erst nach knapp zehn Jahren die ersten modernen Automobile – http://de.wikipedia.org/wiki/Automobil. Soweit ich mich ersinnen kann, wurden die Autos erst ab dem 20. Jahrhundert populär.

    Nagut die Verkehrsschilder wurden bestimmt für Kutschen benutzt, die habe ich total vergessen. Oder nicht?

    Ebenfalls interessant ist die Historie der Halteverbotsschilder, kann hier nachgelesen werden – http://www.halteverbot123.de/historie-des-halteverbots.html

    Die Entwicklung der flektierenden Verkehrsschilder scheint aber eher schleppend gewesen zu sein, der nächste große Sprung nach 1939 ist erst 1989. Also erst nach 60 Jahren.

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