Immer auf Dreizack: 100 Jahre Maserati

8. April 2014

Ungünstiger kann der Termin für ein Firmengründung kaum liegen. Im Dezember 1914 entsteht die Societa Anonima Officine Alfieri Maserati im norditalienischen Bologna, als der Erste Weltkrieg schon begonnen hatte. Es gibt sieben Brüder Maserati: Carlo arbeitet zunächst als technischer Mitarbeiter für Fiat und dann als Testfahrer für Isotta Fraschini und wechselte zu Bianchi, starb aber schon 1910. Seinen Bruder Alfieri hatte er auch zu Isotta Fraschini geholt, wo später auch die Brüder Bindo und Ettore arbeiteten.

Neptuns Dreizack ist das Erkennungszeichen von Maseratis.

Neptuns Dreizack ist das Erkennungszeichen von Maseratis.

Alfieri machte sich 1914 dann selbständig und verwandelte Isotta-Motoren in Sportversionen. Mit ihm gemeinsam wirkten daran Ettore und Ernesto Maserati. Der Kriegsausbruch sorgte für die Einberufung Alfieris und Ettores, die Werkstatt führte dann Ernesto. Nach dem Krieg gründet Alfieri eine Zündkerzenfabrik, die 1919 nach Bologna umzieht; die Arbeiten an Isotta-Motoren gehen weiter. Alfieri und Ernesto sind auch als Rennfahrer erfolgreich unterwegs. Zudem entwickelt sich eine Zusammenarbeit mit der Marke Diatto.

Wirtschaftlich ging es Diatto aber 1925 ziemlich schlecht und die Zusammenarbeitet endete. So bauten die Brüder Maserati im Winter 1925/26 das erste eigene Auto. Der Tipo 26 hatte einen 1,5 Liter-Reihenachtzylinder mit Kompressoraufladung. Er leistete 120 PS und wog 760 Kilogramm. Im Firmenzeichen taucht der Dreizack auf, ein Markenzeichen, das wohl inspiriert war vom bologneser Neptun-Brunnen. Mit einem Klassensieg bei der Targa Florio 1926 gelang ein überzeugender erster Auftritt.

Maserati begann nun intensiv, eigene Rennwagen zu konstruieren und zu verkaufen. Zum Tipo 26 gesellte sich bald eine Version 26B mit zwei Litern Hubraum, die auch als Sportwagen konstruiert wurde. Bemerkenswert ist der GP-Wagen V4, bei dem ein 16-Zylindermotor mit knapp vier Litern Hubraum und 280 PS für Vortrieb sorgte. Damit aufgestellte Geschwindigkeitsrekorde sollten acht Jahre, bis 1937, Gültigkeit behalten.

Mit dem Ansehen durch den Rekord kam Maserati relativ gut durch die schwere Wirtschaftskrise ab dem „schwarzen Donnerstag“ am 24. Oktober 1929. 1930 gelingt beim Grand Prix von Tripolis der erste Gesamtsieg in dieser Rennklasse. Das Geschäft von Maserati lief weiterhin gut; Maserati bietet Rennwagen an, von denen sich die „Kleinen“ am besten verkauften. Als Ersatz für den 8C 1100 entwickelte Alfieri Maserati den 4CTR, bevor er im Alter von nur 44 Jahren 1932 starb.

Von links: Ernesto Maserati, Raymondo Sommer, Goffredo Wehender und Bindo Maserati mit Tipo 8CM. Foto: Maserati

Von links: Ernesto Maserati, Raymondo Sommer, Goffredo Wehender und Bindo Maserati mit Tipo 8CM. Foto: Maserati

In der Not hielten die Brüder Maserati zusammen, und Bindo verließ Isotta Fraschini, um mit Ernesto und Ettore weiter Autos mit dem Dreizack zu bauen. Den deutschen Firmen Auto Union und Mercedes hatte der kleine, arme Hersteller Maserati wenig entgegenzusetzen. Mit dem Modell 6CM schien es wieder aufwärts zu gehen, denn damit gab es Anfang 1936 erste Erfolge, doch Anfang 1937 geben die Brüder Maserati ihre Unternehmensanteile an die Industriellenfamilie Orsi aus Modena ab. Ein Zehnjahresvertrag sicherte den Brüdern Beschäftigung als technische Leiter.

1939 siegt Wilbur Shaw am Steuer eines 8CTF beim legendären 500-Meilen-Rennen in Indianapolis. Italien war noch nicht im Krieg, als die Familie Orsi den Unternehmenssitz nach Modena verlegte; die Brüder Maserati hatten in der Firma nur noch wenig zu melden. 1940 siegt Shaw wieder auf Maserati in Indianapolis.

Mit sorgsam über die Kreigszeiten geretten Wagen fanden die ersten Autorennen in Italien bereits 1946 wieder statt. Aus der ersten Entwicklung nach 1945, dem Modell A6 mit 1,5 Litern Hubraum, sechs Zylindern und mit 65 PS entstand dann mit Hilfe von Pinin Farina die Maserati Berlinetta, der erste Maserati, der nicht für die Rennstrecke entwickelt worden war.

1947 ist Maserati bereits wieder im Motorsport erfolgreich, als sich die Brüder Bindo, Ernesto und Ettore erneut sebständig machen und die Firma O.S.C.A. (Officine Specializzate Costruzione Automobili) gründeten. Bis 1950 kann Maserati im Sport viele Erfolge erzielen, dann beherrschen vor allem Alfa Romeo und Ferrari die prestigeträchtige Formel 1-Szenerie. 1954 stellt Maserati das Modell 250F auf die Räder, das noch positiv von sich reden machen sollte.

Motorräder der Marke Maserati sind selbst für Fachleute weitgehend unbekannt.

Motorräder der Marke Maserati sind selbst für Fachleute weitgehend unbekannt.

Mit der Serienproduktion eines Sportmodells, das nicht nur für Rennen vorgesehen war, begann Maserati ebenfalls 1954. Den A6 G54 mit Zweiliter-Sechszylinder-Reihenmotor und 150 PS gab es als Roadster und Coupé. Mit dem weiterentwickelten Formel 1-Rennwagen 250F gewinnt Fangio 1957 den Formel 1-Fahrertitel. Aus wirtschaftlichen Gründen beendet der Hersteller anschließend die Werkseinsätze, doch die 250 F sind weiterhin beliebt und im privaten Renn-Einsatz.

Maserati geriet ab dem 1. April 1958 unter Zwangsverwaltung, konnte sich aber bald erholen. Das lag auch am Erfolg des Grand Tourisme-Wagens 3500 GT mit 3,5 Liter großem Seschszylindermotor und 220 PS. Bis 1964 entstanden, mit vielen Verbesserungen, insgesamt 1972 Exemplare. Den Rennfahrern bot Maserati vor allem Triebwerke an, bis der Ingenieur Alfieri die Sportwagen Tipo 60 und Tipo 61 mit filigranem Gitterrohrrahmen entwickelte. Diese Maserati Spaghetti und Birdcage genannten Wagen konnten einige Erfolge erzielen.

1959 stellt Maserati dann auf dem Automobilsalon von Turin den 5000 GT mit knapp fünf Liter großem V8-Motor und 350 PS vor. 1962 präsentiert Maserati den 2+2-sitzigen Berlinetta Sebring mit 3,5 Liter großem Sechszylindermotor aus dem 3500 GT. 1964 erfolgte die Markteinführung. 1963 startete die Produktion des Viertürers Quattroporte mit 4,2 Liter großem V8 und 260 PS. Insgesamt gab es zu dieser Zeit acht Serienmodelle, Maserati reduzierte die Anzahl aber bald auf vier.

Ab 1967 gibt es den Ghibli mit 4,7 Liter großem V8-Motor im Design von Giorgetto Giugiaro und gebaut bei Ghia. Foto: Maserati

Ab 1967 gibt es den Ghibli mit 4,7 Liter großem V8-Motor im Design von Giorgetto Giugiaro und gebaut bei Ghia. Foto: Maserati

1966 waren es schon wieder neun Modelle: 3500 GTIS, 3700 GTIS, 3700 GTI, 4000 GTI, GTI Convertible, Quattroporte, Mexico, Mexico 4,7 und Ghibli. Der Ghibli war ein neues Coupé mit 4,7 Liter großem V8-Motor und 330 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 280 km/h. 1967 kommt der Mistral in vier Versionen ins Programm, als Coupé und Roadster mit 3,7 und 4,0 Litern Hubraum. 733 Fahrzeuge stellte Maserati 1968 her.

Maserati Quattroporto, der Viertürer, so die schlichte Übersetzung des prächtig klingenden Namens.

Maserati Quattroporte, der Viertürer, so die schlichte Übersetzung des prächtig klingenden Namens.

Diese erfolgreiche Firma verkaufte die Familie Orsi 1968 dann an Citroen. Die Franzosen hatten im Vorjahr die größte europäische Industriefahrzeugfabrik von Berliet übernommen und jetzt den italienischen Nobelhersteller, aber Alfieri behielt die technische Leitung. 1969 wurde in Genf das neue Modell Indy vorgestellt und bald gab es 14 verschiedene Maserati-Modelle, doch die Verkaufszahlen sanken auf 594 Stück. Der Citroen SM mit Sechszylinder-2,7 Liter-Maserati-V-Motor kommt 1970 auf den Markt, er wird bei Ligier gefertigt.

Maserati Khamsin, links daneben ein Iso Grifo.

Maserati Khamsin, links daneben ein Iso Grifo, der einen Bizzarini weitgehend verdeckt.

Der Maserati Bora wird 1971 vorgestellt, ein Mittelmotor-Coupé mit Giugaro-Karosserie, 1972 kommt der Merak in Anlehnung an den Bora, aber mit kleinerem Motor.

Rotes Leder, umfangreiche Uhrensammlung im Cockpit - so muss es in einem italienischen Sportwagen aussehen.

Rotes Leder, umfangreiche Uhrensammlung im Cockpit – so muss es in einem italienischen Sportwagen aussehen.

Maserati Bora

Maserati Bora

Der Khamsin wird im Frühjahr 1973 gezeigt, sein Produktion beginnt zum Jahresende; er ersetzt den Ghibli und den Mexico. Mit 738 gebauten Fahrzeugen stellt Maserati einen neuen Produktionsrekord auf. 1974 lief es wieder etwas schwächer. 1975 kündigte Citroen an, Maserati liquidieren zu wollen. Das ließ sich vorerst verhindern, aber der geplante Produktionsanlauf des Quattroporte II entfiel und es entstanden nur 201 Fahrzeuge bei Maserati, woran auch die sogenannte Ölkrise Schuld war.

Quattroporte in Neuauflage mit eckigen Scheinwerfern an der Front.

Quattroporte in Neuauflage mit eckigen Scheinwerfern an der Front.

Der Argentinier Alejandro de Tomaso kam Maserati zu Hilfe. Bereits 1976 konnte der neue Maserati Kyalami präsentiert werden, der Quattroporte III folgte bald danach. Dessen Produktion lief dann 1979 endlich an, die Gesamtbauzahlen erholten sich von 195 Wagen im Jahr 1976 auf 560 Exemplare in 1980. 1982 baut Maserati den Biturbo, der ein Erfolg wird 1983 entstehen täglich 25 bis 30 Wagen. Es folgen der fast 330 PS starke Shamal und der Ghibli II, beide mit Giugiaro-Design.

Genfer Salon 2014: Maserati zeigt den neuen Ghibli und stößt auf positive Resonanz.

Genfer Salon 2014: Maserati zeigt den neuen Ghibli und stößt auf positive Resonanz.

Schließlich übernahm 1993 Fiat die Marke. Es dauerte bis 1998, ehe der 3200 GT auf den Markt kam. Ihm folgten die Modelle 4200 Coupé und Cabrio, der neue Quattroporte und der Gran Turismo. Synergien zwischen Ferrari, Fiat und Chrysler sollten reichen, die legendäre Sportwagenmarke Maserati nicht untergehen zu lassen. Da kann der in absehbarer Zeit kommende Dieselmotor keinen Zacken aus Neptuns Wahrzeichen herausbrechen – bei Porsche hat es ja auch mit der Vermarktung eines Selbstzünders geklappt.

 

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3 Reaktionen

  1. Chr. Frauenberger April 8th, 2014 at 16:22

    Wunderwunderschöner Beitrag erneut von L. Doehmann und lesenswert. Die Kriege sind vorbei aber Maserati gibt es noch, unter dem Dach von FIAT.
    Mein Leitspruch bei dieser Marke: 8 (Otto) Cilindri, Quadroporte Biturbo !
    Wie sagte neulich jemand in der oldtimerhitparade, wo auch Detlef Krehl auftrat: Wer etwas sein will fährt Ferrari, wer etwas ist Maserati.

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  2. Lars Doehmann April 8th, 2014 at 16:49

    Danke fürs Kompliment. Ja, ich kann nicht nur Pressetexte auf die Seite stellen, wie dieser selbst recherchierte Beitrag einmal mehr zeigen dürfte. Es gäbe natürlich noch viel mehr über Maserati zu erzählen, und angesichts der teilweise erstaunlich kleinen Stückzahlen wundert es mich, dass die Preise für die Fahrzeuge nicht so spektakulär gestiegen sind, dass darüber in den Medien mehr geschrieben wird.

    Für mich ist Maserati auch eine wohlige Kindheitserinnerung, denn in den 60er-Jahren drückte ich mir die Nase an Modellen wie dem Ghibli gerne platt: 300 km/h auf dem Tacho!
    Aber auch meine Testfahrten Anfang der 90er mit dem Shamal waren ein beeindruckendes und unvergessenes Erlebnis.

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  3. Chr. Frauenberger April 10th, 2014 at 17:12

    Leider habe ich mal einen Indy nicht gekauft, weil ich den Eindruck hatte der Auspuff würde direkt in den Innenaum blasen, was früher oder später wohl das Ende jeder (Dienst-)Fahrt bedeutet. Nun ja, Göxe ist nicht weit.
    Ich ändere meinen Leitspruch in Quatroporte, Biturbo aber Otto Cilindri.
    Herzliche Grüße
    Christian Frauenberger

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