Messerschmitt „Super 200“: Rekordwagen bei OCC auf der Techno Classica zu sehen

8. April 2013

Vor 60 Jahren wurde der erste Messerschmitt Kabinenroller KR 175, wegen seiner nach oben aufklappbarer Pilotenkanzel aus Plexiglas auch „Schneewittchensarg“ genannt,  der Öffentlichkeit vorgestellt. Der dreirädrige Zweisitzer, eine Mischung aus Motorroller und Automobil, bot ab 1953 dem kleinen Mann, der sich bis dato meist mit Moped oder Motorrad fortbewegte, endlich ein Dach über dem Kopf. Ursprünglich als Versehrtenfahrzeug geplant, wurde besonders der KR 200 als zuverlässiges und sparsames Fortbewegungsmittel geschätzt.

Mit  seinem Einzylinder-Zweitaktmotor brachte es der KR200 auf immerhin rund 80 km/h. Mit einer Rekordfahrt wollte das Regensburger Messerschmitt-Werk das Stehvermögen und die Zuverlässigkeit des Rollermobils beweisen. Außerdem Konstrukteur wollte Fritz Fend auch Erfahrungen über die Reserven der Serienbauteile sammeln. Daher entsprach der Messerschmitt „Super 200“ größtenteils dem Serienfahrzeug.

22 Weltrekorde für den Messerschmitt "Super 200" im Jahr 1955. Foto: OCC.

22 Weltrekorde für den Messerschmitt „Super 200“ im Jahr 1955. Foto: OCC.

Sämtliche Fahrwerksteile wie Lenkung, Federung, Dämpfung, Bremsanlage, Radaufhängung, Kraftübertragung, aber auch Rohrrahmen, Wanne und auch die Dunlop-Bereifung wurden aus der Serie übernommen. Die Karosserie wies einige Veränderungen zur Senkung des Luftwiderstandes auf: die Plexiglashaube wurde durch eine flache Rennscheibe und eine Kopfrippe ersetzt, der Kotflügel abgeändert und alle Chrom-Zierleisten weggelassen. Damit erreichte der Super 200 einen cw-Wert von 0,3 (Serie 0,34). Obwohl in der kurz zuvor neu eingeführten 250 cm3-Klasse der FIM startend, nutzen die Regensburger diese Hubraumklasse leistungsmäßig nicht aus, indem sie einen stärkeren Motor einbauten. Der serienmäßig 10,2 PS leistende 200 cm3-Motor von Fichtel & Sachs wurde milde getunt und auf 13,8 PS bei 5500 U/min gesteigert – zusammen mit einer geänderten Hinterachsübersetzung verhalf das dem Super 200 zu über 125 km/h Spitze.

Fritz Fend legte Wert darauf, dass der Nachweis „unter extremen Beanspruchungen vor den Augen der interessierten Öffentlichkeit geführt und offizielle bestätigt wird“. So trat der komplett weiß lackierte Wagen mit dem blauen Messerschmitt-Blitz am 29. August 1955 auf dem Hockenheimring zur 24-Stunden-Dauerfahrt an. Wie ein Uhrwerk spulte der Super 200 Runde um Runde ab. Tanken, Kontrolle und Fahrerwechsel alle drei Stunden dauerte gerade mal eine Minute. Nach 24 Stunden und über 2500 Kilometern hatte der Wagen 22 Weltrekorde aufgestellt – und sogar drei in der nächsthöheren 350 cm3-Klasse  gebrochen. Nach der Fahrt wurde der Motor des Rekordwagens auseinandergenommen – und zeigte sich kerngesund. 4,8 Liter auf 100 Kilometer war nur verbraucht worden – bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 103 bis 107 km/h.

Mitsamt Dreck und Beulen stellte Messerschmitt den Rekordwagen auf der folgenden IAA im September aus, als „Gestalt gewordene Geschwindigkeit“. Nach Ende der Kabinenrollerproduktion stiftete Fritz Fend 1964den Wagen dem Deutschen Museum in München. Dort steht er heute bei den Silberpfeilen – allerdings ohne Originalmotor. Dieser verblieb 1955 bei Fichtel & Sachs und ist heute verschollen.

Einer von fünf Nachbauten des Messerschmitt "Super 200" ist auf der techno Classica 2013 in Essen zu sehen. Foto: OCC.

Einer von fünf Nachbauten des Messerschmitt „Super 200“ ist auf der Techno Classica 2013 in Essen zu sehen. Foto: OCC.

In der Kleinwagenszene wurde dieser Super 200 eine Legende, die auch wieder auf die Straße sollte. Fünf originalgetreue Nachbauten gibt es heute weltweit. Einer davon ist in Essen bei OCC (Halle 3, Stand 449) zu sehen. Und natürlich beraten die Spezialisten auf der Techno-Classica alle Klassikerbesitzer rund um das Thema Versicherung.

 

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2 Reaktionen

  1. Karl Eisele Juni 23rd, 2015 at 12:17

    Ich war einer, wohl der letzte noch lebende der Rekordfahrer
    und kann mich erinnern, dass ich montag abends damals um ca. 20:00 Uhr den 5000 km Rekord gefahren bin! Es wurden also weit mehr
    als 24 Stunden gefahren. Gruss Karl Eisele 74348 Lauffen a. N. heute 82 Jahre alt

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  2. Lars Doehmann Juni 23rd, 2015 at 12:51

    Vielen Dank für den Hinweis und die Korrektur der Darstellung. Ich hoffe, dass Ihre Leistungen dann noch einmal von der Fachpresse ausführlich gewürdigt werden. Bleiben Sie gesund!

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